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Razz rocken das ausverkaufte Exil

Junger Sänger, große Stimme Razz rocken das ausverkaufte Exil

Irgendwie ist es ja etwas skurril, wenn sich Mittvierziger nach einem Livekonzert ganz stolz mit 19-jährigen Musikern fotografieren und Autogramme geben lassen. Mit geschlossenen Augen glaubt aber eh niemand, dass der Sänger der Band Razz noch so jung ist.

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Razz: Indierock aus dem Emsland, der sich hören lassen kann.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Kings of Leon können sich warm anziehen. Razz sind, auch das vermutet man zunächst nicht, eine deutsche Band aus dem Emsland. Sie brachten am Mittwoch das ausverkaufte Exil zum tanzen.

Im Einheitsbrei der jungen deutschen Popmusik sind gitarrenlastige Indierockbands nur noch selten zu finden. Die vierköpfige Formation, Niklas Keiser, Steffen Pott, Christian Knippen und Lukas Bruns, hat im vergangenen Jahr ihr erstes Album „With your hand we‘ll conquer“ herausgebracht. Sie spielten bereits auf einschlägigen Festivals wie dem Berliner Lollapalooza und gehen demnächst mit Kraftklub auf Tour. 

Dicker Nebel und kräftige Gitarren: Gleich als zweites Stück spielten Razz „Black Feathers“, einer von zwei Kracher-Songs auf ihrem Debüt-Album – den zweiten „Youth and Enjoyment“ gibt es als letzte Zugabe. Der dichte und geschmeidige Rock ist für Garagesound schon fast zu perfekt gespielt (sind die wirklich noch Teenager?), dennoch krachen die Beats und verhindern immer wieder, dass einige der Songs in Richtung Eintönigkeit abdriften. Bestimmt haben die Jungs die Editors mehr als einmal gehört. Es ist ein bemerkenswertes Erstlingswerk, dieses Album.

In erste Linie ist das aber der Stimme dieses Sängers Keiser zu verdanken, der klingt, als habe er bereits 20 Jahre an der Theke einer verrauchten Großstadtkneipe verbracht. Große Bühenattitüde braucht er nicht. Dass er, wenn er mit den Augen rollt, ein wenig an den ganz jungen Johnny Depp erinnert, lässt den weiblichen Fanblock in den ersten drei Reihen noch enger an die Bühne rücken.

In ihren praktischen Strickpullovern mit Schulteriemchentasche und flachen Bequemschuhen könnten einige auch ein Amy-Farrah-Fowler-Fanclub sein. Spaß hat das gesamte Publikum – egal in welcher Altersklasse, es wird geklatscht getanzt und mitgewippt und mitgesungen. Diese gute Laune perfekt vorbereitet haben die Jungs der Vorband Giant Rooks mit ihren fluffigen, folkigen Indierock. Band Nummer eins waren die dänischen The Awesome Welles.

„Wir arbeiten an neuen Songs“, versprach Keiser mit dieser erwachsenen Stimme. Unbedingt: Augen zu und durchhören!   

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