Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Gegen den Rechts(D)ruck

Thementage am Deutschen Theater Gegen den Rechts(D)ruck

Vor der Bundestagswahl will das Deutsche Theater in Göttingen mit den Rechts(D)ruck-Thementagen auf Gefahren hinweisen, die demokratische Spielregeln außer Kraft setzen. Matthias Heid und Erich Sidler wollen vom 8. bis 10. September mit Theaterstücken und einer Diskussion sensibilisieren.

Voriger Artikel
„Killer Joe“ im ThOP
Nächster Artikel
Soundcheck-Finale fast ausverkauft

Setzen auf Information und Sensibilisierung vor der Bundestagswahl: DT-Chefdramaturg Matthias Heid und DT-Intendant Erich Sidler (rechts).

Quelle: Swen Pförtner

Göttingen. Mit zehn seiner Produktionen, einer Podiumsdiskussion und einem Stadtrundgang will das Deutsche Theater an drei Tagen auf den politischen Klimawandel im Land – rechtzeitig vor der Bundestagswahl – aufmerksam machen: Rechts(D)ruck heißt die Veranstaltung, die noch vor Eröffnung der Spielzeit 2017/18, über die Bühnen des Hauses geht vom 8. bis 10. September. „Mit diesem Festival führen wir zusammen, was wir in der letzten Spielzeit zur Vergangenheit erarbeitet haben“, erklärt Intendant Erich Sidler. Es geht ihm und Chefdramaturg Matthias Heid nicht allein um den Blick zurück. Der Termin ist bewusst gewählt: zwei Wochen vor der Wahl zum Deutschen Bundestag am 24. September. Der Blick zurück soll zugleich den aktuellen politischen Klimawandel verdeutlichen, der nach Ansicht der Theatermacher um sich greift.

Populistische Bewegungen und rechte Parteien haben Zulauf. Das Deutsche Theater will auf Veränderungen hinweisen. „Wir glauben eine Verschiebung zu beobachten, die unserer Meinung nach dem Land nicht gut tut. Sie führt dazu, dass der Diskurs über Themen zunehmend ersetzt wird durch private Meinungen“, erklärt Heid einen Beweggrund. Subjektive Sichtweisen stehen dabei immer mehr im Vordergrund als objektive Betrachtungen. Hierfür und für die Bedeutung demokratischer Prozesse soll sensibilisiert werden mit den Rechts(D)ruck-Thementagen. Und die, betont Heid, sind „keine Stimmungsmache für Links“, wie es seit Bekanntwerden der Veranstaltung den Theatermachern vorgeworfen werde.

Missachtung demokratischer Spielregeln verhindern

Weder gebe es derzeit auf dem Spielplan ein Stück, das inhaltlich links agitiere, noch sei es Sache und Ziel des Theaters, eine Wahlempfehlung zu geben, stellt Heid klar. Es gehe nur darum, auf ein gesellschaftliches Verhalten hinzuweisen, das analysiert werden sollte, um die Missachtung demokratischer Spielregeln zu verhindern.

Intendant Sidler will sensibilisieren und Vorgänge auseinandernehmen: Das mache das Theater ebenso wie die Presse. Diese stelle Transparenz her, das Theater versuche das Erlebnis von Widersprüchen darzustellen und auf diese Weise zu erklären. Dabei werde das Theater es nicht schaffen, in den Dialog mit Menschen zu treten, die demokratische Prozesse zerstören wollen, erklärt Heid. „Aber wir können das Milieu, das wir erreichen, sensibilisieren für bestimmte Fragen“, meint der Dramaturg. Es gehe darum, die Diskussion zu führen – „auch mit den Leuten, die glauben, es wäre alles okay. Für Veränderung musst du wach sein.“

Gibt es einen politischen Klimawandel?

Thema der Diskussion am Sonnabend soll unter anderem die Frage sein, ob es einen politischen Klimawandel gibt, wie er sich manifestiert und wie damit umgegangen wird? „Wir haben uns entschieden, auf dem Podium keine Politiker, sondern Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen einzuladen. Die Podiumsdiskussion soll inhaltlich die Klammer sein zu den Vorstellungen an den drei Tagen“, so Sidler.

Rechts(D)ruck: Festival am Deutschen Theater

Das Programm der Thementage „Rechts(D)ruck“ am Deutschen Theater, Theaterplatz 11, in Göttingen:

Freitag, 8. September:

„Mein Kampf“ von George Tabori im DT-1 um 20.30 Uhr

„Der Untertan“ von Heinrich Mann um 18 Uhr im DT-2

„Unser Dorf soll schöner werden“ von Klaus Chatten um 20 Uhr im DT-X Keller

Sonnabend, 9. September:

“PEAK WHITE oder Wirr sinkt das Volk“ von Kevin Rittberger um 18 Uhr im DT-1

„Zeit bezeugen – Kindheit in der NS-Zeit“ eine Projektentwicklung von Gernot Grünewald um 14 Uhr mit Nachgespräch mit Zeitzeugen und um 19 Uhr im DT-2

„Deine Helden – meine Träume“ von Karen Köhler um 16 Uhr im DT-Mobil im Max-Planck-Gymnasium (ausverkauft).

Literarischer Hausbesuch „Schule der Diktatoren“ um 18 Uhr, Treffpunkt DT-Foyer.

„Politischer Klimawandel“, Podiumsdiskussion um 20.30 Uhr im DT-1 mit Literaturwissenschaftler Heinrich Detering, Unternehmerin Karin Uphoff, Journalist Jens Jessen, Autorin Julia Friedrichs, Sozialwissenschaftler Sascha Münnich (Eintritt frei).

Sonntag, 10. September:

Stadtführung „Göttingen in der NS-Zeit“ um 11 Uhr.

„Wortwechsel spezial“ mit Dr. Christian Riemenschneider um 13.30 Uhr im DT-X Keller

“Die Nutznießer – Arisierung in Göttingen“ von Gesine Schmidt um 15 Uhr im DT-1 mit Nachgespräch mit Regisseur Marcus Lobbes ab 17.10 Uhr

Eintrittskarten für alle Veranstaltungen sind im Vorverkauf oder eine Stunde vor Vorstellungsbeginn an der Theaterkasse, Deutsches Theater, Theaterplatz 11, in Göttingen (Telefon 0551 / 4969-300) erhältlich.

Von Angela Brünjes

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag