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Reges Interesse am ersten Göttinger Poetree Festival

Lyrik im Cheltenhampark Reges Interesse am ersten Göttinger Poetree Festival

Das Gras duftet, an den Bäumen rascheln die Blätter. Doch auch wenn im Cheltenhampark als grüne Naherholungsinsel die urbane Hektik weit weg erscheint – die Geräusche der Stadt sind immer präsent. Gleichmäßiges Motorenrauschen und hin und wieder ein Martinshorn. Das ist die Atmosphäre in die der Schweizer Lyriker und Romanautor Christian Uetz hineinruft: „Grandios, grandios, grandios!“ So laut, dass ein Echo zurückkommt.

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Lyrisches Speed-Dating: Die Besucher des Poetree Festivals in Göttingen lassen sich vom Regen nicht beeindrucken - von den Künstlern schon eher.

Quelle: Heller

Göttingen. Zum ersten Mal findet das Lyrik Festival Poetree statt, das von der Initiative Poetree organisiert wurde. Acht Dichter, Slammer, Wortkünstler oder Songschreiber stehen im Laufe des Nachmittags auf der Bühne und präsentieren in unterschiedlichen Formaten ihre Kunst. Im Cheltenhampark wurde dafür ein Zelt aufgebaut, und es wurden Bänke auf die Wiese gestellt. Viele Interessierte sind gekommen. Schnell sind alle Plätze auf den Bänken belegt, so dass viele Zuhörer auf Picknickdecken Platz nehmen, als das erste Slamduo an die Mikrofone geht.

 
Dominique Macri und Dalibor Marković tragen einzeln und zusammen ihre Gedichte vor, die gespickt mit allerlei Wortwitz zwischen Ernst und Unterhaltung keinen Unterschied machen. „Halt meine Hand“ oder „Halt, meine Hand!“ heiße eines der vorgetragenen Gedichte laut Marković, „je nachdem, ob man einen Strand nett entlang geht oder ein Schrankbrett entlang sägt“. Das Spiel mit Worten, aber auch mit Rhythmus ist typisch für Marković, der seine Texte gerne auch ins Beatboxing einbettet.

 

Romanautor Christian Uetz trägt im Zelt vor.

Romanautor Christian Uetz trägt im Zelt vor.

Quelle:

 

Reges Interesse trotz Regen

 
Schon während dieses ersten Programmpunktes setzt leichter Regen ein, der bald stärker wird. Die Darbietung von Uetz wird daher ins Zelt verlegt, wo aber nicht alle Zuhörer Platz finden. Einige suchen Schutz unter den Bäumen, andere halten den Regen aber auch aus. Nur wenige lassen sich vom Wetter vertreiben. Die Sache ist zu spannend, die Ideen zu fesselnd, die Gedanken hinter den Texten zu aufregend und nachdenkenswert. Etwa warum ein Geschenk, das man aus Liebeskummer seiner Angebeteten macht, einem plötzlich furchtbar peinlich ist. Ein merkwürdiger Zustand, den Uetz auf der Bühne schildert.

 
Bei seinem Vortrag während des Regens wird deutlich, worin die eigentliche Stärke des Festivals liegt. Gekommen sind viele unterschiedliche Menschen. Junge, Alte, Frauen mit Kindern oder Hunden, Männer in Sakko oder Heavy-Metal-Pullover. Der Regen rauscht, die Kinder weinen, die Hunde bellen. Und trotzdem wirkt die Poesie. Sprachkunst muss nicht im stillen Kämmerlein gelesen werden, sondern entfaltet im öffentlichen Raum eine ungeahnte Kraft.

 

Lyrisches Speed-Dating

 
Weil das Festivalteam auf unterschiedliche Formate setzt, wird das Zuhören im Laufe des Nachmittags weder langweilig noch anstrengend. Vor allem das lyrische Speed-Dating erweist sich als spannender Programmpunkt. Dabei teilt sich das Publikum in kleinere Gruppen auf, denen jeweils ein Künstler zugeteilt wird. 15 Minuten lang passiert jetzt bei jedem Lyriker etwas anderes, bevor sie die Gruppe wechseln. So stellt Max Wallenhorst das Künstlernetzwerk Change vor, und liest Texte, die dort im Kollektiv entstanden sind, von seinem Smartphone ab. Dagegen liest Hendrik Rost sowohl Gedichte aus seinem bereits erschienen Gedichtband, als auch ganz neue, die in nächster Zeit als Buch publiziert werden. Dabei erzählt er von den Schwierigkeiten, die solch ein Buchprojekt manchmal mit sich bringt. Etwa wie einen guten Titel zu finden.Und Yevgeniy Breyger lässt seine Gedichte beim Speed-Dating von Menschen aus dem Publikum vorlesen, um zu erforschen, ob sich die Wirkung verändert.

 
Für kleine und große Experimente schafft das Poetree Festival einen Raum und hat damit Erfolg. Die Zuschauer bleiben lange, lassen sich von Wortkunst unterhalten oder kommen selbst mit den Künstlern ins Gespräch. Bei dem Regenwetter fehlte lediglich ein Stand mit heißem Kaffee. Vielleicht bei der nächsten Ausgabe.

 

Von Daniela Lottmann

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