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Regisseur Ben Baur inszeniert „Elektra“ am Deutschen Theater

Albtraum der Gewalt Regisseur Ben Baur inszeniert „Elektra“ am Deutschen Theater

Vom Hass zerfressen, hockt sie an der Rückseite des Palastes. Bis in Details malt sie sich die Rache an ihrem ermordeten Vater aus, doch ist sie unfähig zu handeln. Für die furiose Darstellung der griechischen Königstochter Elektra bekam Katharina Uhland am Sonnabend im Deutschen Theater Göttingen langen Applaus.

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Starkes Spiel: Rahel Weiss, Katharina Uhland und Marie Seiser, im Hintergrund: Lynn Ebert.

Quelle: Nickel

Göttingen. Schwer und düster ist das Stück von Hugo von Hofmannsthal, das Ben Baur inszeniert hat. Von Baur stammt auch das monumentale, beklemmende Bühnenbild: hohe, dunkle Mauern. Den Blick auf sie gibt der sich hebende Theatervorhang unter beängstigendem Donner (Musik: Michael Frei) frei. Stumm hockt Elektra auf der Bühne, abgemagert, das Haar zersaust, die Augen in tiefen schwarzen Höhlen. Nur das Tropfen von Wasser ist zu hören. Nach langem Schweigen beginnt die Unglückliche nach dem getöteten Vater zu rufen.

Von Hofmannsthal griff den von Sophokles bearbeiteten Stoff auf und rückte Elektra in den Mittelpunkt. Den Zeitgenossen von Siegmund Freud faszinierte die Königstochter als psychoanalytische Gegenfigur zu Ödipus, der den Vater erschlägt und die Mutter heiratet. Der Stoff ist Teil einer langen, blutigen Geschichte. König Agamennon hat seine Tochter Iphigenie im Krieg um Troja geopfert. Als der erfolgreiche Feldherr nach Jahren zurückkehrt, ermordet ihn Ehefrau Klytämnestra gemeinsammit ihrem Liebhaber Aegisth im Bad.

Doch in von Hofmannsthals Stück kann hat nicht nur Elektra Probleme mit dem Mord. Die Mutter (zwischen Verzweiflung und Hoffnung pendelnd: Angelika Fornell) plagen seither Albträume. Der klugen Tochter traut sie zu, Hilfe zu finden. Soll sie ein Opfer bringen? Der Palast setzt, im Chor sprechend, die Hassende unter Druck. Die Königstochter entzieht sich.

Zugrunde geht zudem Elektras jüngere Schwester Chrysothemis, in Göttingen von Marie Seiser und Rahel Weiss zerbrechlich-flehend gespielt. Die junge Frau möchte alles vergessen. Heiraten will sie, Kinder bekommen, Frieden finden. Doch Elektra stellt Bedingungen, versucht die Schwester als Komplizin beim Mord von Mutter und Stiefvater zu gewinnen.

Das blutige Finale kommt, als der tot geglaubte Bruder Orest (hilflos-verwirrt: Frederik Schmid) heimkehrt. Eine heftiges Stück, das dem Göttinger Publikum den Atem verschlägt. Nach einem Moment der Sprachlosigkeit gibt es begeisterten Beifall.

Die nächsten Vorstellungen: 9. und 16. Oktober sowie am 5., 10. und 25. November um 19.45 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

Von Michael Caspar

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