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Reichhaltiges Programm bei ersten Nikolausberger Musiktagen

Treffpunkt der Göttinger Musikfreunde Reichhaltiges Programm bei ersten Nikolausberger Musiktagen

Drei Tage lang, von Freitag bis Sonntag, war die Klosterkirche Treffpunkt der Göttinger Musikfreunde: bei den ersten Nikolausberger Musiktagen. Organisiert hatte sie Antonius Adamske, Organist der Kirche und Leiter verschiedener Chöre.

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Göttingen. Es gab ein reichhaltiges Programm: drei große Kirchenkonzerte, ein kammer­musikalisches Nachtkonzert, einen Workshop für Kinder, einen Festgottesdienst, einen Jazz-Frühschoppen und ein Podiumsgespräch. Und die drei großen Konzerte hatten auch zahlreiche Zuhörer angelockt.

Programmschwerpunkt der Musiktage war Heinrich Schütz, der bedeutendste protestantische Kirchenmusiker des 17. Jahrhunderts. Das Collegium Vocale Hannover unter der Leitung von Florian Lohmann präsentierte am Sonnabend die „Musikalischen Exequien“, entstanden im 30-jährigen Krieg, ergänzt durch zwei weitere Kompositionen zum Thema Krieg: Rudolf Mauersbergers Motette „Wie liegt die Stadt so wüst“ und Arnold Schönbergs „Friede auf Erden“. Die Continuospieler (Violone: Irmelin Heiseke, Orgel: Ryoko Morooka, Laute: Dennis Götte) waren auch für zwei feine instrumentale Zwischenspiele zuständig. Das knapp 30 Sängerinnen und Sänger umfassende Collegium Vocale ist ausgesprochen leistungsfähig, durchweg intonationsgenau und homogen. Einzig in extremen Höhenlagen im Schönberg neigte der Sopran bisweilen zu leichten Schärfen.

Das Sonnabend-Programm beschloss die Göttinger Sopranistin Patricia Grasse mit vier der Kleinen geistlichen Konzerte von Schütz und – eine lohnende Entdeckung – drei „Musikalische Andachten“ von Johann Wolfgang Franck, begleitet von Andreas Düker (Laute) und Adamske (Orgel). Ihr heller Sopran ist sehr beweglich,  für die koloraturenreiche frühbarocke Musik besonders geeignet. Seltene kleine Ungenauigkeiten fielen kaum ins Gewicht.

Den Anfang hatte am Freitag das Collegium vocale St. Petri unter Adamske gemacht: mit Claudio Monteverdis „Marienvesper“ – allerdings nicht in der gewohnten großen Besetzung mit bläserstarkem Orchester und großem Chor, sondern mit zwei Vokalisten pro Stimme und einem Continuo-Ensemble aus Theorbe (Andreas Düker), Gambe (Laura Frey) und Orgel (Christof Pannes).

Die zarte vokale Besetzung kann man historisch rechtfertigen. Doch die Beschränkung auf Monteverdis Psalmverto­nungen samt Magnificat und die Ersetzung der bei Monteverdi eingeschobenen Concerti durch gregorianische Antiphonen nimmt der großartigen Komposition viel von ihrem charakteristischen Glanz, so bewundernswert auch Monteverdis Psalmen sind und so engagiert sich die Vokalisten – denen man hier und da etwas ausgereiftere solistische Fähigkeiten gewünscht hätte – ihres schwierigen Parts annahmen. Für ein derart ehrgeiziges Projekt reichten die Kräfte noch nicht ganz. Schade, dass zudem der musikalische Bogen durch eingeschobene Lesungen diverser Texte zur Marienverehrung unterbrochen wurde.

Den Schlusspunkt der Musiktage setzte am Sonntag der Niedersächsische Landesjugendchor mit seinem Programm „Nordic Sounds“. Hier war die Kirche fast zu klein für die Kraft der ausgesuchten jungen Stimmen, die unter der befeuernden Leitung von Florian Benfer Musik unter anderem von Grieg, Vasks, Cage, Mänty­järvi, Brahms, Rautavaara und Parkman darboten. Sehr abwechslungsreich war ihre Auswahl:  hier witziger Sprechgesang (Rautavaaras Sprachführer „Praktisch Deutsch“), dort zutiefst bewegend (Mäntyjärvis Requiem auf die Opfer des Untergangs der „Estonia“ 1994), hier schwärmerisch-romantisch (Brahms op. 42).

Adamske hat ein stimmig konzipiertes und schon ziemlich reibungsarm organisiertes kleines Festival auf die Beine gestellt. Es hat dem wunderbaren „Klangkörper Klosterkirche“ (so der Nikolausberger Pastor Gerd Liebenehm) pulsierendes musikalisches Leben verliehen.

Von Michael Schäfer

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