Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Reifeprüfung im Literarischen Zentrum Göttingen

Teresa Präauer und Annika Scheffel stellen Bücher vor Reifeprüfung im Literarischen Zentrum Göttingen

Wegen des Bahnstreiks hatte die Lesung der Jungautorinnen Annika Scheffel und Teresa Präauer verschoben werden müssen. Jetzt konnte sie im Literarischen Zentrum nachgeholt werden.  Bei den Autorinnen hatte das Verschieben keine Spuren hinterlassen. Moderator Jan Valk hingegen wirkte, als hätte er die ganze Zeit am Bahnhof gewartet. Zum Glück hatten die beiden Frauen genug Charme für drei mitgebracht.

Voriger Artikel
Andrea Behn und Antje Hassinger stellen im Göttinger Künstlerhaus aus
Nächster Artikel
Deutsches Theater mit „Homo Empathicus“ in Mülheim

Zwei Autorinnen, jeweils zwei Bücher: Teresa Präauer (links) und Annika Scheffel.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Den Anfang machte Scheffel. Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin ist sie auch Performerin, jedoch keine Tänzerin, wie an diesem Abend klargestellt wurde. Auch wenn sie das irgendwie bedauerte. Ihren zweiten Roman „Bevor alles verschwindet“ schrieb sie mit viel Musik im Hintergrund: „Ich musste mich aus der Wohnung wegbeamen“, sagte sie.

 
Vom Verschwinden erzählt dann auch das Buch. Es handelt von einem kleinen Dorf in einem Tal, das einem Stausee weichen soll. Eine groteske Geschichte voller Melancholie, in der die Dorfbewohner wie Geister in einer Zwischenwelt leben. Auch fantastische Figuren haben ihren Eingang in die Erzählung gefunden, wie der blaue Fuchs, der von einem Mädchen auf Papier gezeichnet wurde und nun zum Leben erwacht, die Bauarbeiter beißt und damit zur letzten Bastion gegen das Verschwinden des Dorfes wird. Die Figuren seien während des Schreibens einfach aufgetaucht, und sie habe das zugelassen, kommentiert Scheffel. „Ich hab’ gedacht, das wäre doch gut, wenn das so passieren würde, und dann hab’ ich den Bewohnern Dinge gegönnt, die unwahrscheinlich sind.“

 

Trockener Humor aus Wien

 
Anschließend dann Präauer. Sie las ebenfalls aus ihrem zweiten Buch „Johnny und Jean“. Dass sie aus Wien kommt, hört man sofort, und sie weiß es beim Lesen einzusetzen. Ihr Humor ist trocken und spielt mit den Erfahrungen der Zuhörer, die alle unmittelbar verstehen, wenn Protagonist Johnny seine Situation beschreibt. Johnny, das ist ein eher mittelmäßiger Kunststudent, der sich immer wieder in Konkurrenz zum Überflieger Jean sieht. Statt in Neid zu ergehen, fantasiert er sich eine Freundschaft zusammen.

 
In Präauers Text finden sich Wörter wie, „Genitalpanik“ oder „Phantasiekompetenz“. Präauer sagte, sie habe versucht Wörter „auszustellen“, so wie in einer Galerie. Vor ihrer Literaturkarriere war die Autorin Malerin. Ob sie ihre Romane eigentlich selbst illustriere, fragte Scheffel später, nachdem Moderator Valk wiederholt ohne Erfolg versucht hatte, den Autorinnen Anekdoten über die Schwierigkeiten des Schreibens eines zweiten Romans zu entlocken. Präauer findet, dass ihr zweiter Roman eigentlich ihr viertes Buch ist, da sie zuvor schon zwei illustrierte, und Scheffel ahnte auch nicht, dass das zweite Buch eine große Herausforderung darstellen könnte. Nach diesem Abend steht jedenfalls fest, dass Schreiben für die beiden Autorinnen kein Trauma darstellt. Ihre Reifeprüfung haben sie bestanden.

 
► Annika Scheffel: Bevor alles verschwindet, Suhrkamp, 411 Seiten, 19,95 Euro.
► Teresa Präauer: Johnny und Jean, Wallstein-Verlag, 208 Seiten, 19,90 Euro.

Von Serafia Johansson

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff