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Reinhard Mey begeistert in der Göttinger Lokhalle 3500 Fans

Flucht der Wiederkäuer Reinhard Mey begeistert in der Göttinger Lokhalle 3500 Fans

Alle könnten, aber keiner traut sich. Niemand möchte diese Intimität stören. Und so singt er ganz allein. Ganz allein fliegt er „Über den Wolken“. Nur mit seiner Gitarre steht der Liedermacher auf der Bühne. Schwarzer Hintergrund, schwarzes Hemd, nur ein paar kleine Scheinwerfer.

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Reinhard Mey.

Quelle: EF

Göttingen. Reinhard Mey schafft bei seinem Auftritt eine Vertrautheit und Emotionalität, wie sie wahrscheinliche nur wenige Künstler solo und mit deutschen Texten in der Lokhalle hervorbringen. Dabei nahm er die etwa 3500 Zuhörer mit auf eine Reise durch seine bewegte Familiengeschichte.

Zwischen „N’Abend Göttingen“ und „Gute Nacht Freunde“ präsentiert der Musiker sein Leben. In Meys Stücken geht es um seine Kindheit und Eltern, seine Arbeit als Musiker, die Geburt seiner Kinder, aber auch über deren Tod. Den Sohn noch einmal, wie so oft, vom Bahnhof abzuholen – darüber singt er in „Dann mach´s gut“.

Maximilian Mey war 2009 nach einer verschleppten Lungenentzündung mit einem Herz- und Atemstillstand in ein Wachkoma gefallen. Im Mai starb er im Alter von 32 Jahren. Anrührend singt der Liedermacher den Song und umschreibt so das tragische Ereignis. Vor vielen Werken spricht Mey über sein Leben oder die Welt. Aber nicht bei diesem. Er lässt es einfach wirken. Beeindruckend, wie still mehrere tausend Menschen sein können.

Von Liebe und Freundschaft

Drei Jahre stand Mey nicht mehr auf der Bühne. Aber trotzdem versteht er es auf seiner „Dann mach´s gut Tournee 2014“ noch immer, mit seinen Liedern Geschichten zu erzählen und Bilder in den Köpfen der Zuhörer entstehen zu lassen. Kritisch aber nie so richtig politisch, klug aber nur selten mit dem erhobenen Zeigefinger belehrend.

Anfang der 1970er Jahre haben ihm manche mangelndes politisches Engagement und ein Hang zur Harmonie vorgeworfen. Viele seiner Texte handeln eben von Liebe und Freundschaft. Trotzdem versteht es Mey alltägliche Situationen auf gesellschaftspolitische Zusammenhänge, wie dem geringeren Gehalt von Frauen im Vergleich zu dem von Männern, zuzuspitzen. Als Vegetarier singt er auch mal von der Fleischerindustrie. So erzählt „Gute Kühe kommen in den Himmel“ auf ironische Weise von der Flucht der Wiederkäuer aus dem engen Stall, um dem Schlachthof zu entgehen. Mey kann auch lustig sein. Erheiternde Momente, die die Stille im Publikum unterbrechen.

Selbst bei seinen neueren Werken klingen Meys Lieder irgendwie nach einer anderen Zeit. Aber genau das macht sie offensichtlich so reizvoll für seine Fans. Und denen verrät er, dass er auch Glück gehabt hat. „Ich lebe einen Traum, den ich nicht zu träumen wagte“, sagt der Liedermacher im Bezug auf seine Karriere. Eine Karriere, in der er mit leisen Tönen und warmer Stimme oft höher folg, als er sich selbst je erhofft hat.

Von Friedrich Schmidt

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