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Rekonstruktion der Sammlung des Schriftstellers Remarque

Unwiederbringlich verloren Rekonstruktion der Sammlung des Schriftstellers Remarque

Sein Erfolg als Schriftsteller war so gewaltig, dass Erich Maria Remarque  (1898-1970) plötzlich reich war. „Stinkreich“, sagt Thomas F. Schneider, Leiter des Osnabrücker Erich Maria Remarques-Friedenszentrums.

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„Portrait of Paulette Goddard“ von Diego Rivera: Das Gemälde aus dem Jahr 1941 ist im Buch „Remarques Impressionisten“ abgebildet.

Quelle: EF

Mit seinem kriegskritischen Roman „Im Westen nichts Neues“ wurde Remarque 1929 weltbekannt und in Deutschland zugleich zur unerwünschten Person. Die Nationalsozialisten setzten ihn noch vor 1933 auf die Liste der verfemten Autoren, verbrannten später seine Bücher. Der Schriftsteller, der beruflich als Volksschullehrer, Werbetexter für Continental in Hannover und dann als Automobil-Journalist in Berlin begonnen hatte, investierte sein Geld in eine Villa in der Schweiz, in Antiken, chinesische Bronzen, antike Möbel und Teppiche. 

Dass Remarque im September 1933 das Pastell „Drei Tänzerinnen“ von Edgar Degas kaufte, lag an seiner Freundin Ruth Albu (1908-2000). Sie forderte ihn auf, er solle nicht immer nur Teppiche kaufen, auf denen man herumläuft, sondern lieber etwas Vernünftiges, das man an die Wand hängt und das wertbeständig ist. Diese und weit mehr Informationen über die bedeutende Kunstsammlung Remarques, die nach seinem Tod von seiner Witwe Paulette Goddard rigoros verkauft wurde und in ihrer Gesamtheit unwiederbringlich verloren ist, machen Schneider und Inge Jaehner, Leiterin des Felix-Nussbaum-Hauses in Osnabrück, in dem Buch „Remarques Impressionisten“ öffentlich.

Denn ist Remarque immer noch als Schriftsteller im Bewusstsein, so ist er es als Kunstsammler mit seinen sehr unterschiedlichen Motiven, Kunstwerke zu kaufen und zu retten, kaum noch. Den Herausgebern und Autoren gelingt es, Remarques Beweggründe aufzuzeigen. Anfangs sammelt er privat zur Geldanlage. Später, im Exil in den USA, legt er Wert auf die Bekanntmachung der Kunst, die von den Nationalsozialisten als entartet gebrandmarkt wird. Und Remarque thematisiert auch in seinem literarischen Werk die Kunst immer mehr: Die Nacht von Lissabon, Liebe Deinen Nächsten, Das gelobte Land.

Der aufwendig gestaltete Band mit deutschen und englischen Texten stellt Remarques Leben, seine politische Überzeugung, seinen Kunstsinn hervorragend  dar.  Und sie beantworten auch Fragen nach Kunst und Kunsthandel im Exil. Die akribische Rekonstruktion mit 152 Objekten der Remarque-Sammlung mit zahlreichen Abbildungen zeigt zugleich, was als Gesamtwerk verloren gegangen ist.

Thomas F. Schneider, Inge Jaehner (Hg.): „Remarques Impressionisten. Kunstsammeln und Kunsthandel im Exil“. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 469 Seiten mit 250 Abbildungen, 69,99 Euro.
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