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Revuestück "Zwei Krawatten" im DT Göttingen

Spektakel in Pink Revuestück "Zwei Krawatten" im DT Göttingen

Requisiten in Pink, gute Musik und Klischees über Armut, Reichtum, Liebe hat die neue Musikproduktion am Deutschen Theater reichlich zu bieten. Die Zuschauer der Premiere von "Zwei Krawatten" waren begeistert von der Inszenierung von Antje Thoms, die das Zwanziger-Jahre-Stück aufgepeppt hat.

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Benjamin Kempf, Gaby Dey (Frau Robinson), Julia Bottenhorn, Hannes Blut, Katharina Uhland (Mabel), Dario Gödecke, Hannah Breuker, Lutz Gebhardt (Kellner)

Quelle: Thomas M. Jauk

Göttingen. Man kann es mit Rechtsanwalt Bannermann halten, der regelmäßig sagt, "ist ja ekelhaft". Soviel Protz und Prunk in Pink hat das Revuestück zu bieten, dass es kaum auszuhalten ist. Aber damit gelingt zugleich die Persiflage, die Regisseurin Antje Thoms dem Publikum in 165 Minuten serviert.

Denn natürlich ist das große Geld, das Kellner Jean mit einem Krawattentausch und einem Lotteriegewinn erwartet, am Ende nichts wert: Die Liebe zur armen Trude ist stärker als der Reichtum der amerikanischen Beef-Erbin Mabel.

Soweit das grobe Strickmuster des von Georg Kaiser stammenden Revuestücks. Das hat Florian Barth sehenswert ausgestattet mit einer schnell vom Varieté zum Schiffsdeck bis hin zur New Yorker Großstadtschlucht wandelbaren Bühne und Kostümen, die von schlicht bis üppig, und das vor allem in Pink, für elf Schauspieler und sechs Tänzer so komisch wie passend sind.

Verfolgung, Verwechselung, Verachtung und ein Vermächtnis sorgen für turbulente Szenen. Vom Charleston bis zum Rock'n'Roll spielt "Die Windsor-Knoten-Band" dazu die Sounds. Die acht Musiker unter der Leitung von Michael Frei betonen musikalisch gekonnt leger die Handlung.

Nicht nur sie lassen das Berlin, New York und Chicago der Zwanziger Jahre hinter sich, und damit die Kompositionen von Mischa Spoliansky, wenn im Palais der Corned-Beef-Dynastie Marilyn und Elvis auftreten. Damit haben dann Marie Seiser und Andreas Jeßing zugleich mal fix die Kostüme als Trude oder Anwalt Bannermann abgelegt. Nicht nur sie haben Vielseitigkeit zu beweisen.

Gaby Dey wandelt sich von der volltrunkenen Kneipenmadame zur Sängerin Kleopatra und dann zur neureichen Beef-Lady Robinson. Deren Nichte Mabel gibt Katharina Uhland fabelhaft mit starkem Ami-Akzent und ausdauernder Grinsekatze-Miene.

Karl Miller macht groß und schlank im Satinanzug, pink natürlich, als Charles brav Männchen und geht mit Leibesfülle als ultrakonservativer Senator Meckarton auf die Knie. Bezwungen vom einstigen Kellner Jean. Diesen erfindet Benjamin Krüger von dienstbeflissen, überheblich, neureich, nachdenklich bis geläutert immer wieder neu. Krüger, Moritz Schulze und Anton von Lucke führen die Riege der Sänger an; bei den Kolleginnen kommt Gaby Dey mit den Couplets im Stil der Zwanziger Jahre am besten rüber.

Soviel Klamauk und Spektakel in Pink gibt es mit "Zwei Krawatten" im Deutschen Theater zu sehen, dass einem schwindelig werden kann. Aber mit Vergnügen, weil der schrille Abend eine große Portion gute Unterhaltung ist.

Info

Die nächsten Vorstellungen von"Zwei Krawatten" im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11, am 3., 14., und 19. Dezember um 19.45 Uhr; am 31. Dezember um 16 und 20 Uhr. Kartenlegerin: 0551 / 4969-11.

Mehr Informationen unter dt-goettingen.de

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