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Leuchtendes Witz-Potenzial

Ringelnatz-Abend im Alten Rathaus Leuchtendes Witz-Potenzial

Mit einem skurrilen Wort hat er sich in den Hirnen seiner Leser eingenistet: dem „Suaheli­schnurrbarthaar“, das nachts um drei im Kattegat treibt. Doch Joachim Ringelnatz hat mehr zu sagen als ulkige Wörter. Davon hat sich am Montag das Publikum im Alten Rathaus nachdrücklich überzeugen lassen.

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Slam Poet Fabian Navarro.

Quelle: NR

Göttingen. „Überall ist Leben“ hieß der Abend, den das Literaturfest Niedersachsen dem Göttinger Literaturherbst zum 25. Geburtstag geschenkt hat. Zu Gast waren der Schauspieler Samuel Finzi – er spielt unter anderem den Rechtsmediziner Dr. Stormann im Kieler „Tatort“ – und der Slam-Poet Fabian Navarro. Für den musikalischen Rahmen sorgten Udo Brozio und das Ringelnatz-Quartett. Premiere hatte das Programm Mitte September beim Literaturfest Niedersachsen, übrigens an einem besonders themagerechten Ort: in einem Zelt im Cuxhavener VGH-Stadion mit Blick aufs Meer.

„Überall ist Leben“ ist selbstverständlich ein Ringelnatz-Zitat. Es stammt aus dem Gedicht „Überall“ aus den „Reisebriefen eines Artisten“, geschrieben 1927. Die erste Strophe lautet: „Überall ist Wunderland. / Überall ist Leben. / Bei meiner Tante im Strumpfenband / Wie irgendwo daneben.“ Hell leuchtet aus solchen Zeilen das Witz-Potenzial des stürmischen Poeten und dichtenden Komikers hervor, der eigentlich Hans Bötticher hieß und dessen Bücher 1933 von den Nazis verbrannt wurden.

Samuel Finzi rezitierte die Ringelnatz-Texte, die seine Liebe zum Meer ebenso spiegeln wie seine erotischen Passionen. Die Liebe nennt Ringelnatz „heiß, frei, besoffen, fromm und scharf.“ Die Göttinger Zuhörerin Heidemarie Hohls, die von diesem Abend „restlos begeistert“ war, kommt bei Finzis Sprechkunst ins Schwärmen: „Das ist eine Stimme, da schmilzt man dahin“, Dazu präsentierte der Poetry-Slammer Fabian Navarro sein eigenes Ringelnatz-Bild (Hohls: „amüsant, etwas in der Zeit überzogen“) und berichtete von den Leidenschaften des Seefahrers und Soldaten, der uns auch 82 Jahre nach seinem Tod durchaus etwas zu sagen hat.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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