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Romantische Klänge in Göttingen

Universitätsorchester Romantische Klänge in Göttingen

Begeistert klatschen und trampeln die 400 Zuhörer in der ausverkauften Aula am Wilhelmsplatz. Romantische Werke der Komponisten Engelbert Humperdinck, Max Bruch und Peter Tschaikowsky hat das Göttinger Universitätsorchester unter Leitung des Akademischen Musikdirektors Ingolf Helm gespielt.

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Das Orchester der Universität in der Aula am Wilhelmsplatz.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Das großartig aufgestellte Studierendenorchester begann den Abend mit der Ouvertüre zu Humperdincks 1893 uraufgeführten Kinderoper "Hänsel und Gretel". Der Komponist hatte mit seiner Schwester Adelheid Wette eigentlich nur ein häusliches Märchenspiel geplant. Am Ende schuf der Musiker, der als Assistent von Richard Wagner gearbeitet hatte, dann auf der Basis des Grimm-Märchens ein „Kinderstubenweihfestspiel“, wie er es ironisch nannte.

Die Laienmusiker meisterten souverän auch die leisen, durchsichtigen Stellen des Vorspiels, wo jeder Ton gut hören ist. Die Hörner brillierten im Schutzengelchoral. Die Trompete übernahm Hänsels  Knabenstimme im triumphierenden „Die Hexerei ist nun vorbei“.

Weiter ging es mit Max Bruchs oft aufgeführtem Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26 von 1868. Das ausdrucksstarke, klar strukturierte Werk gibt der Solovioline viel Raum, was dem Orchester einiges an Beweglichkeit abverlangt. Solistin Heidi Schmid, die nach kurzem Trommelwirbel und Orchestereinstieg einsetzte, war der Star des Abends.

Die gebürtige Münchnerin, die Helm vor zehn Jahren in Berlin kennengelernt hat, riss das Publikum mit ihrem sehr klaren, warmen, runden Spiel mit. Nach dem aufregenden ersten Satz, wurde es lyrisch-romantisch. Der dritte Satz sprühte dann vor Energie. Die Zuhörer klatschten und klatschten. Schmid spielte Musik von Johann Sebastian Bach als Zugabe.

Nach der Pause entwickelte der Abend große Dynamik. Das Orchester lief bei Peter Iljitsch Tschaikowskys 1873 uraufgeführter Sinfonie Nr. 2 c-Moll, op. 17 zu Hochform auf. Karl-Felix Müller etwa gab am Kontrabass alles, wofür er später viel Applaus gekam.

Tschaikowsky schrieb das Werk während eines Urlaubs in der Künstlerkolonie im ukrainischen Kamjanka, einer damals zum russischen Reich gehörenden Stadt. Er griff ukrainisch-russische Volkslieder auf. Im ersten Satz trägt das Solohorn „Drunten bei der Mutter Wolga“ vor. Im dreiteiligen zweiten Satz hat Tschaikowsky das Lied „Spinn, meine Spinnerin“ verarbeitet. Der mittlere Teil des vierten Satzes variiert das Volkslied „Der Kranich“.

Das Programmheft thematisiert den aktuellen Bezug zum Ukrainekonflikt. Zu Tschaikowskys Lebzeiten begann sich die ukrainische Nationalbewegung zu formieren. Deren Forderungen nach mehr Autonomie wiesen die großrussischen Nationalisten zurück. Der Komponist ließ sich von keiner Seite vereinnahmen.

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