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Romantischer Gestus und Gefühlstiefe

Velte-Trio Romantischer Gestus und Gefühlstiefe

Romantische Kammermusik stand auf dem Programm des Konzerts am Sonntag im Rat­haus in Duderstadt. Zu Gast war das Velte-Trio. Sein Namenspate ist der Karlsruher Komponist Eugen Werner Velte (1923-1984): In dem nach ihm benannten Konzertsaal im Schloss Gottesaue haben Katharina Uhde (Violine) und ihre Zwillingsschwester Tatjana Uhde (Violoncello) die Pianistin Judith Mosch kennengelernt.

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Im Alten Rathaussaal in Duderstadt: Katharina Uhde, Judith Mosch und Tatjana Uhde (v. l.).

Quelle: Blank

Seine musikalische Visitenkarte gab das junge Ensemble mit dem einsätzigen Klaviertrio op. 8 von Dmitri Schostakowitsch ab, ein verheißungsvoller Auftakt. Alle drei Musikerinnen konnten mit angemessen schwärmerisch leidenschaftlichem Ton – Schostakowitsch war bei der Komposition gerade einmal 17 Jahre alt und frisch verliebt – die Zuhörer tief beeindrucken.

Damit hatten sie die Erwartungshaltung der zahlreich erschienenen Zuhörer ziemlich hoch gestimmt – zu Recht, wie sie in Robert Schumanns d-Moll-Trio bestätigten. Denn hier passten Klangkultur, romantischer Gestus und Gefühlstiefe hervorragend ineinander. Dabei traten die Unterschiede der Musikerinnen deutlich hervor. Die technisch hoch versierte, immer zuverlässige Pianistin Judith Mosch gibt der Emotion etwas weniger Raum als ihre virtuos ebenbürtigen Streicherkol­leginnen. Von der Geigerin Katharina Uhde könnte man sich noch etwas mehr Größe und Freiheit im Ton wünschen, während der warme, sonore Celloklang, den Tatjana Uhde erblühen lässt, restlos zu überzeugen vermag.

Wo die Grenzen dieses Ensembles liegen, zeigte sich in Schuberts Es-Dur-Trio, dem Finale dieses Abends. Zum einen hätten hier Schuberts zauberhafte Modulationen doch etwas mehr liebevolle Zuwendung vertragen. Zum anderen verbergen sich in manchen heiter anmutenden Passagen jähe Ausblicke in dunkle Regionen, die aber unbemerkt bleiben, wenn man zu glatt darüber hinweggeht. Im Finale waren die Akkordwiederholungen der Pianistin manchmal so dominant, dass die Streicher Mühe hatten, sich angemessen dagegen zu behaupten.

Dennoch war der lang anhaltende Schlussapplaus vollauf verdient. Zum Dank gab es das munter galoppierende Scherzo aus Schumanns d-Moll-Trio noch einmal als Zugabe.

Von Michael Schäfer

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