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Romeo und Julia im Planschbecken

Premiere am Deutschen Theater Romeo und Julia im Planschbecken

Das berühmteste Liebespaar muss wieder sterben: Am Deutschen Theater Göttingen hat "Die Tragödie von Romeo und Julia" am Sonnabend in der Inszenierung von Dagmar Schlingmann gezeigt, warum die Shakespeare-Idee zeitlos ist. Felicitas Madl und Anton von Lucke spielen überzeugend die Unglückskinder.

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Anton von Lucke (Romeo) und Felicitas Madl (Julia).

Quelle: Deutsches Theater Göttingen

Göttingen. Warum wieder Romeo und Julia? Weil der Streit wie die Liebe ein aktuelles Thema bleibt. Weil familiäres Miteinander nicht gleichbedeutend ist mit, einander wirklich zu kennen. Weil auch Botschaften per E-Mail oder WhatsApp abhanden kommen und so ins Verderben führen. Weil deshalb Shakespeare einfach immer wieder sein muss. 

Nächste Vorstellungen:

"Die Tragödie von Romeo und Julia" am Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11, im DT-1 um 19.45 Uhr am 11. und 21. März, am 5. und 22. April (DT-Kartentelefon 0551 / 4969-11).

Und so konfrontiert Regisseurin Dagmar Schlingmann die Leichtigkeit der Verliebtheit mit der Familienfehde der Capulets und Montagues. Im plakativen Bühnenbild von Sabine Mader prangen diese Namen in großen Lettern und sind zugleich variable Kulisse für fünf Akte, die dem bekannten Text nah bleiben und zugleich weit weg vom Liebeshändel-Bild nach Shakespeare.

Es gelingt Schlingmann, den Bogen zu spannen mit der Mottoparty in einer Großstadt, dem Gehabe einer Straßengang, der Rachsucht von Familien, die nicht verzeihen wollen und keine Aussprache suchen. Aber mit Romeo und Julia finden sich deren Kinder, die gleich von dritter Stelle zum Mittel projiziert werden, um mit ihrer Heirat dem Streit ein Ende zu setzen. 

Dieser Plan geht bekanntermaßen nicht auf. Die Botschaft mit der entscheidenden Nachricht kommt nicht an, stattdessen Gerüchte. Und auch das hat Bestand: Die Wahrheit bleibt damals wie heute zu oft auf der Strecke.

Mit großem Gefolge von 13 Personen sind Romeo und Julia auf der Bühne unterwegs. Und sind doch allein mit sich und als Paar. Das geben Anton von Lucke und Felicitas Madl mit jugendlichem Liebeswahn und Trotz, mit Schwermut und Unbedachtheit. Lucke mimt den romantischen Jüngling ebenso überzeugend wie den die Rituale der Halbstarken ablehnenden Gleichaltrigen. Der versteckt sich auch mal im Publikum, wo seine Freunde den Romeo vor lauter Publikum nicht sehen und ohne ihn auf Tour gehen.

Dass Romeo sich seiner noch nicht sicher ist, spielt Lucke so klar heraus wie dann selbstbewusst seine bedenkenlose Liebe. Und erst recht Madl als so mädchenhaft wie bestimmt auftretende Julia bringt das Paar und den Widerstreit mit der Familie immer wieder auf den Punkt. Sie planscht verliebt mit Romeo im Wasserbecken, das überraschende, nasse Choreographien möglich macht, oder erwartet ungestüm seine Nachrichten. 

Schlingmann, die 2017 als Generalintendantin vom Saarländischen Staatstheater nach Braunschweig wechselt, lässt sich alles um Romeo und Julia drehen, was aber die ersten Akte braucht, um flott über die Bühne zu gehen. Da kommt dann Gaby Dey als liebevolle und gewitzte Amme als Vermittlerin ins Spiel, die gutmütig hilft, ohne die Gefahr zu erkennen. Julias mit sich beschäftigte Eltern (Andrea Strube und Florian Eppinger) reden schön und handeln falsch. Und die kampfesfreudigen Jungs der Montagues und Capulets bringen mit Intrigen und gezückten Dolchen Spannung ins Geschehen. Heißsporne, die den Tod herausfordern, sind Frederik Schmid als Mercutio und Benedikt Kauff als Tybalt.

Ein bisschen blitzt die von William Shakespeare in diesem Stück eingesetzte südländische Atmosphäre auf, die bei der Uraufführung 1595 in London exotisch angekommen sein mag. Auch in der Textfassung von Frank-Patrick Steckel geht es um die Fehde von Verona, und Romeo muss weiterhin nach Mantua in die Verbannung. Aber eine Rolle spielt das szenisch ebensowenig wie die Liebschaft in der Renaissance. Das macht es aus: darum wieder "Die Tragödie von Romeo und Julia" - diesmal mit Techno-Sound, Planscherei und Overknees.

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