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Roth und ihre Jahre mit den Scherben

"Liederabend" im Literarischen Zentrum Roth und ihre Jahre mit den Scherben

1975 hatte die damals 20-jährige Claudia Roth eine Begegnung, die prägend für ihr Leben sein sollte: Sie lernte die Musiker der Band Ton Steine Scherben kennen. Von ihren Jahren mit ihnen hat die Grünen-Politikerin am Dienstagabend in der Reihe „Liederabend“ im Literarischen Zentrum erzählt.

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Von der Musikmanagerin zur Spitzenpolitikerin: Claudia Roth.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Was hat sie denn heute an?“ Eine Besucherin des „Liederabends“ war gespannt auf das Outfit der als farbenfroh bekannten Roth, die zweimal Bundesvorsitzende ihrer Partei war und Mitglied des Deutschen Bundestages und dessen Vizepräsidentin ist.

Die andere Kleiderordnung

Eine weiße Jacke mit Blumenmuster und ein zarter Rosaton im Haar trug Roth an diesem Abend. Als Managerin der Scherben, wie Freunde die Agitprop-Band mit den deutschen Texten noch heute nennen, war die Kleiderordnung für die Managerin Roth eine andere: ein schwarzes enges Lederkostüm mit Nieten, hohe Schuhe – und ein Managerkoffer, erzählte Roth. Ihr Job: Auftritte organisieren und die Platten bekannt machen.

Roth hatte ihr Studium der Theaterwissenschaften in München nach zwei Semestern abgebrochen und war als Dramaturgieassistentin an die Städtischen Bühnen in Dortmund, wo sie später auch Dramaturgin wurde.

Claudia Roth im Literarischen Zentrum

Quelle: Hinzmann

Der Bruder von Rio Reiser, dem Sänger der Scherben, habe dort für das Kinder- und Jugendtheater gearbeitet, erzählte Roth. Reiser und die Band bekamen den Auftrag für einen Bühnenmusik. 1975 hatten die Scherben Berlin verlassen – Roth: „Druck, Spaltung, Gewalt, Drogen: Sie mussten weg, sonst hätte es sie umgebracht“ – und waren auf einen alten Bauernhof nach Fresenhagen an die dänische Grenze gezogen.

Geld war immer knapp

Nachdem sie sich in Dortmund getroffen hatten, habe sie die Band dort häufig besucht, sagte Roth. Nach ihrem beruflichen Ausstieg im Ruhrgebiet sei sie in die Musiker-Wohngemeinschaft eingezogen, „eine große Familie“, erklärt Roth. Nina Hagen sei dort häufiger Gast gewesen – „Dort hat sie ihr erstes Ufo gesehen“ – und Blixa Bargeld von der Band Einstürzende Neubauten habe zu den engen Freunden gezählt.

Das Geld sei immer knapp gewesen, erinnert sich Roth, manchmal dramatisch. Roth: „Dann haben sie mich losgeschickt, um über Plattenverträge zu verhandeln. Fertig vorbereitete Kontrakte hätten dann auf dem Tisch gelegen – und die Band diskutiert „an einem großen Tisch im Garten“, so die Erinnerung der Politikerin.

„Es gab Apfelkuchen.“ Um sich vom Kapital nicht korrumpieren zu lassen, habe die Band schließlich mit zwei Gegenstimmen für ihre Auflösung votiert – und Roth wurde 1985 Pressesprecherin der Grünen im Bundestag. Die Begründung laut Roth: „Wer  es bei den Scherben aushält, der hält auch die Grünen aus.“

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