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Sabrina Janesch liest aus ihrem deutsch-polnischen Roman „Katzenberge“

Fremdes Land, neue Heimat Sabrina Janesch liest aus ihrem deutsch-polnischen Roman „Katzenberge“

Mit einer sehr persönlichen Lesung war die Autorin Sabrina Janesch am Montag zu Gast bei der Deutsch-Polnischen Gesellschaft im Gemeindesaal der Johanniskirche. Persönlich war die Lesung, weil die junge Schriftstellerin einen deutsch-polnischen Hintergrund hat und ihr Buch von der eigenen Familiengeschichte inspiriert wurde. Viele der Zuhörer hatten ebenfalls einen polnischen Hintergrund oder kamen sogar aus der Region, in der die Geschichte spielt.

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Mit deutsch-polnischer Vergangenheit: Sabrina Janesch.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Janesch erzählt in ihrem Buch, aus dem sie mit ruhiger und fester Stimme vorliest, vom Schicksal der Polen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in das von den Deutschen verlassene Schlesien zwangsumgesiedelt wurden. In der Erzählung um die Protagonistin Nele Leibert, die auf den Spuren ihres Großvaters immer tiefer in die Familiengeschichte eindringt, sind Gegenwart und Vergangenheit ineinander verschränkt. Die Figur des Großvaters steht für den Zusammenhalt der Familie. Er formt sich das fremde Land in eine neue Heimat um, indem er den Orten polnische Namen gibt und das Hakenkreuz über seiner Haustür abhängt.

Dass die Lesung einige Längen hatte gibt Janesch selber zu, als sie das Buch zuklappt und sagt: „Das war aber eine lange Beerdigung.“ Erst bei der anschließenden Fragerunde blühen die Schriftstellerin und ihr Publikum richtig auf. Janesch, die für ihren Debütroman mit dem Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen geehrt wurde, drückt sich auch außerhalb ihrer Buchseiten sehr gewählt und präzise aus. Ernsthaft, aber humorvoll berichtet sie von ihrer eigenen Familiengeschichte und ihren Recherchen, bei denen sie auf polnische Bauern gestoßen sei, die wenig nostalgisch auf ihre Umsiedlung zurückblickten. Sie hätten zu viel zu tun gehabt, um in ihre Heimat zurückzukehren. Umgekehrt würden noch heute viele deutsche Vertriebene immer wieder an den Ort ihrer Geburt zurückkommen, Freundschaften zu den neuen Einwohnern ihrer Dörfer knüpfen und ihre alten Häuser besuchen.

Obwohl „Katzenberge“ ein Roman über den Schnittpunkt deutsch-polnischer Geschichte ist, wurde er bisher noch nicht ins Polnische übersetzt.

Sabrina Janesch: „Katzenberge“, Aufbau Verlag, 277 Seiten, 19.95 Euro.

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