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Saisoneröffnung des Göttinger Symphonie-Orchesters

Magischer Sog Saisoneröffnung des Göttinger Symphonie-Orchesters

Etwas gelichtet waren die Stuhlreihen am Freitag in der Stadthalle, jedenfalls nicht so dicht besetzt wie sonst in dieser Abonnementsreihe, die früher „Kleine Reihe“ genannt wurde und heute „Philharmonischer Zyklus II“ heißt.

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Das Stadthallen-Podium randvoll mit Musikern besetzt: Göttinger Symphonie-Orchester unter Christoph-Mathias Mueller spielt Mahlers Zehnte.

Quelle: Schäfer

Göttingen. In der Tat gehörten früher eher die gängigen Werke des Repertoires zum Programm der Kleinen Reihe – nun aber gibt es auch hier Entdeckerfreuden. Das hat sich vielleicht nur noch nicht so weit herumgesprochen.

Dirigent Christoph-Mathias Mueller hatte einen in mehrerer Hinsicht außergewöhnlichen Abend vorbereitet. Er begann mit Arnold Schönbergs „Suite im alten Stil“ aus dem Jahre 1934 für Streichorchester, einem völlig tonalen Werk mit „richtigen“ Akkorden, voller Witz und trickreicher Kontrapunktik, etwas für wache Ohren und wachen Geist, nicht unbedingt für träumerischen Genuss. Oft merkt man der Musik an, dass ihr Schöpfer gern seine Hörer verblüffen möchte. Das ist hier und da für den Hörer ein bisschen anstrengend – übrigens auch für die Spieler, die dieser Suite manchen Schweißtropfen opferten.

Gegen diese Anstrengung stand mit Ottorino Respighis „Il Tramonto“ für Mezzosopran und Streicher ein geradezu süffiges, hochromantisches Werk mit traumhaft schönen Melodien. Das ausgesprochen traurige Gedichte von Shelley hüllt Respi­ghi in ein musikalisches Gewand von erlesener Melancholie. Dafür war der samtene, unangestrengt fließende, resonanzenreiche Mezzosopran von Sophie Harmsen die Idealbesetzung.

Der Intensität verpflichtet

Mit dem Purgatorio und dem Adagio aus Mahlers zehnter Symphonie ging dieser Abend nach eher kammermusikalischem Beginn in voller Besetzung zu Ende. Mueller hatte mit gutem Grund jene beiden Sätze (in der Fassung von Deryck Cooke) ausgewählt, die Mahler vergleichsweise am komplettesten hinterlassen hat. Und schon in diesem Fragment wird die ungeheure Tiefe dieser Musik auf ergreifende Weise deutlich. Sie übt geradezu eine magische Sogwirkung aus, packt den Hörer und lässt ihn in ihrer Intensität nicht mehr los.

Das kann nur gelingen, wenn sich die Musiker eben dieser Intensität verpflichtet fühlen. Dies taten die GSO-Instrumentalisten mit Inbrunst, vom Feuer ihres Dirigenten in Hochspannung gehalten. Dass an wenigen Stellen die Intonation der Streicher ein wenig verrutschte, ist zu vernachlässigen angesichts der Tiefe den Eindrucks, den sie mit dieser Musik hinterließen. Ein grandioser Abend.

Von Michael Schäfer

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