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Saisonstart am Jungen Theater in Göttingen

Uraufführung mit Linda Elsner Saisonstart am Jungen Theater in Göttingen

Mit einer Uraufführung hat das Junge Theater in Göttingen die Spielzeit 2015/16 am Freitag eröffnet: "Navigator Luna Nord" von und mit Schauspielerin Linda Elsner ist eine Spurensuche in der eigenen Familie, die bis nach Togo führt.

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Linda Elsner

Quelle: Pförtner/Archiv

Göttingen. Im Jungen Theater Göttingen herrscht großer Andrang, sämtliche Plätze sind besetzt. Ein Teil des Publikums weicht sogar auf die Treppen aus, um am Freitagabend die Uraufführung zum Auftakt der neuen Spielzeit miterleben zu können. Linda Elsner präsentiert zum Saisonstart mit „Navigator Luna Nord“ erstmals ihre Abschlussarbeit für die Universität der Künste Bern. Die Schauspielerin nimmt sich in ihrem Projekt der eigenen Familiengeschichte an und begibt sich auf den Spuren ihres Großvaters auf eine Reise in die Vergangenheit. Auf eine Reise, die sie bis nach Togo führt. Konzept, Text und Inszenierung hat Elsner selbst verwirklicht. Mit Unterstützung von Benjamin Pogonatos und dessen Klanginstallationen entwickelt sich so ein sehr persönliches Theaterstück.

 
Ihren Großvater hat Elsner nie kennengelernt. Ein Foto und ein Ausschnitt eines Science-Fiction-Films sind die ersten Anhaltspunkte, die sie auf der Suche nach dessen Identität antreiben. Nach und nach stellt sie Bruchstücke vor: Sie trägt Berichte über ihren Großvater zusammen, der Ende der 1950er Jahre von Togo nach Europa kam, in Leipzig die sozialistische Idee leben wollte und 1971 nach Togo zurückkehrte. Dazwischen mischen sich kurze Episoden ihrer eigenen Reise in das Land ihrer Vorfahren, die sie zuvor nicht kennengelernt hatte. Kulturen treffen aufeinander, bekannte und unbekannte Verwandte melden sich zu Wort. All diese Figuren stellt Elsner persönlich dar.

 
Doch statt die anfängliche Frage „Wer war mein Großvater?“ beantworten zu können, werden nur noch mehr Fragen aufgeworfen, insbesondere auch die Frage, warum er seine Familie, ihre Familie, damals verlassen hat. Zunächst etwas zaghaft, dann jedoch schnell immer mehr Ausdrucksstärke gewinnend, begibt sich Elsner immer tiefer in die Geschichte. Mal trägt sie ganz sachlich Fragmente aus Zeitungsartikeln, Briefen und anderen Dokumenten zusammen, mal richtet sie den Blick nach innen. In komischen Szenen macht sich kurz danach der Kulturschock bemerkbar. Einige der dargestellten Ereignisse beruhen auf wahren Erlebnissen, andere sind Fiktion. Doch insbesondere die Momente, in denen sich Elsner direkt in die Leere an Ihren Großvater richtet, um ihm all die offenen Fragen zu stellen, sind sehr emotional. Hier gelingt es ihr, nicht als Schauspielerin zu erscheinen, sondern sie bringt die junge Frau auf der Suche nach Antworten rüber.

 
Mit "Navigator Luna Nord“ hat Linda Elsner ein vielfältiges Stück geschaffen, das ihr ermöglicht, sich in zahlreichen Facetten zu präsentieren. Den Mut, persönliche Erfahrungen in ein Theaterstück umzusetzen, belohnte das Premierenpublikum mit herzlichem Applaus.

 

Von Tina Evers

 

"Navigator Luna Nord": Die nächsten Vorstellungen sind am 7. und 24. September um 20 Uhr im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6, Theaterkasse: 0551 / 495015, www.junges-theater.de

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