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Santiano: Rocker spielen in der Lokhalle

Hauptsache Seemann Santiano: Rocker spielen in der Lokhalle

Sie fürchten weder Tod noch Teufel, beschwören die Freiheit auf hoher See, können aber auch wehmütig über den Verlust von Frauen und Freunden singen. Die Flensbuger Shanty-Rocker Santiano haben am Sonnabend 3000 Fans in der Lokhalle mächtig begeistert.

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Quelle: Heller

Göttingen. Anfangs ist nur das Rauschen des Meeres mit Möwengeschrei und sphärischen Synthesizerklängen zu hören. In der Ferne läuten Glocken. Dann fällt der Vorhang und im blauen Licht der Scheinwerfer erscheint ein gewaltiges Wikingerschiff mit Drachenköpfen an Bug und Heck. Sie sind nach Auftritten in den beiden Vorjahren wieder in Göttingen: die harten Seebären von Santiano mit ihrem kraftvollen, unverwechselbaren Sound.

Da überrascht es im ersten Moment, dass die Fans in der ausverkauften Halle auf Stühlen sitzen. Das ist wohl dem Alter des Publikums geschuldet, das größtenteils schon in die Jahre gekommen ist. Auch die Musiker sind mit Ende 40 bis Mitte 60 nicht mehr die Jüngsten. Aber sie erreichen mit den Stücken ihres neuen Albums „Von Liebe, Tod und Freiheit“ durchaus auch die junge Generation, wie ein Blick in die Reihen zeigt.

Santiano sind überhaupt ein Phänomen. Sie haben als Vorgruppe bei Helene Fischer gespielt, sind aber auch auf dem Metal-Festival in Wacken aufgetreten. Das hat mit ihrem Repertoire zu tun. Die Band um Frontman Björn Both spielt Volksmusik, kommt aber kein bisschen verstaubt oder betulich daher. Zur rockigen Mischung steuert Geiger Peter „Pete“ Sage stets einen Schuss Irish Folk dazu. Das Schifferklavier erklingt an Bord, aber Both greift auch mal zum Didgeridoo. Viele bekannte Melodien covert die Band im Laufe des Abends, versieht sie aber oft mit neuen Texten. Das begeisterte Publikum singt mit, klatscht und schwenkt die Arme, und setzt sich dann wieder eine Weile hin.

Auch in der Bühnentechnik ziehen die bärtigen, tätowierten Rocker alle Register. Auf der Leinwand ist immer wieder das aufgewühlte Meer sehen. Liebesszenen im wehmütigen Rückblick oder ergreifende Abschiedsbilder bei der Seebestattung erscheinen dort. Als Santiano das Publikum auf Kaperfahrt mitnimmt, schmücken Totenköpfe die Leinwand, Kanonen stoßen Feuerbälle aus. Das Wikingerschiff steht in Flammen und die Augen der Drachenköpfe leuchten in unheimlichen Rot. Hauptsache Seemann! Ein grandioser Abend!

Von Michael Caspar

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