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Sarah Connolly freut sich auf Zugaben bei Göttinger Händel-Festspielen

„Eine richtige ,Killer Queen'” Sarah Connolly freut sich auf Zugaben bei Göttinger Händel-Festspielen

Die britische Mezzosopranistin Sarah Connolly gibt am Donnerstag, 21. Mai, während der Internationalen Händel Festspiele Göttingen ein Galakonzert mit Werken Händels und anderer Komponisten in der Stadthalle. Mit dem Tageblatt spricht die am Royal College of Music ausgebildete Sängerin und Pianistin über eine verbotene Zugabe und verrät, warum man in ihrem Regal ein Miles-Davis-Album findet.

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Mezzosopranistin Sarah Connolly.

Göttingen. Auf YouTube finden sich interessante Videos von Ihnen. Sie sind wahrscheinlich die einzige klassisch ausgebildete Sängerin, die auch Jazzstücke von Count Basie am Klavier spielen kann. Wie kommt es zu dieser ungewöhnlichen Kombination?
Mein erster Kontakt mit Jazz kam durch meine Eltern zustande, die vor allem Bigband-Musik gehört haben. Aber ich war ein bisschen gelangweilt von den vorhersehbaren Harmoniefolgen, also habe ich nach komplexeren Stilen gesucht. Ich habe schon immer Trompete geliebt und so kam ich zu meinem ersten Album von Miles Davis, Quiet Nights. Ich fühlte mich schon immer zu komplexen Harmonien hingezogen – egal ob im Jazz, klassischer Musik oder Pop.

Es gibt wahrscheinlich keine bessere Person als Sie, um zu erklären, warum Händels Musik von vielen Hörern als swingend bezeichnet wird. Welchen Grund hat das?
Ich denke, das liegt einfach am Rhythmus. Und an Händels musikalischem Gespür für Gefühle. Die Musik seiner Zeit war so lebhaft und komplex. Selbst im 18. Jahrhundert vermisse ich die harmonische Komplexität, die man bei Händel hört. Händel war außerdem ein unglaublich komplexer Melodiekomponist. Er hatte ein Gespür für Dramaturgie. Er wusste, wie man Emotionen zum Sprechen bringt. Und zwar auf eine Weise, an der Johann Sebastian Bach nicht interessiert war.

Aber war Bachs Schaffen harmonisch nicht meist komplexer?
Ja, das stimmt natürlich. Bach war harmonisch meist viel farbiger. Aber Händel war mehr als Bach daran interessiert, die Menschen in seinen Werken zum Leben zu erwecken. Und das hat er brillant gekonnt.

Im Festspiel-Magazin werden Sie sogar mit dem Satz zitiert, dass es keine bessere Musik zum Singen gibt als die von Händel.
Wenn ich Händel singe, dann sage ich das. Und wenn ich Berlioz singe, dann sage ich das über Berlioz (lacht). Natürlich fühle ich das aber auch tatsächlich – bei allen Komponisten, die ich interpretiere.

Sie haben tatsächlich ein weit gestecktes Repertoire, das von Purcell über Beethoven bis hin zu Mahler reicht. Was hat denn Händel, was diese Komponisten nicht haben?
Händels Musik hat eine gewisse Ehrlichkeit, die mir sehr nahe geht. Egal, wie oft ich ihn singe, ich bin einfach niemals von seiner Musik gelangweilt!

Was haben Sie denn beim Galakonzert für uns geplant? Da gibt es ja nicht nur Händel zu hören.
Los geht es mit Ombra mai fu aus Händels Xerxes, das Konzert enthält aber auch Werke von Elisabeth Jacquet de La Guerre, Marc Antoine Charpentier und Carl Heinrich Graun.

Das Programm liest sich jedenfalls nach einer Menge Arbeit...
Ja, acht Arien, das ist schon einiges. Aber ich freue mich darauf! Ich habe erst zwei oder drei Händel-Konzerte mit Orchester gegeben.

Und außerdem sind Sie noch nie in Göttingen aufgetreten.
Ja! Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte...

 Besser spät als nie. Das Motto der Festspiele lautet „Heldinnen!?“. Haben Sie eigentlich eine weibliche Lieblingsfigur in Händels Opern?
Ja! Definitiv Agrippina. Sie ist wundervoll. Angsteinflößend. Selbstherrlich, verwöhnt und auch unglaublich lustig. Sie ist eine richtige „Killer Queen“. Leider darf ich beim Galakonzert keine Arie von ihr singen, weil Agrippina ja die diesjährige Opernproduktion der Festspiele ist.

Niemand hindert Sie daran, ihre Lieblings-Heldin mit einer Zugabe einzuschleusen.
(lacht) Ja, das habe ich Laurence Cummings auch schon gesagt...

Das Interview führte Jonas Rohde

Das Galakonzert „Heroes & Heroines“ beginnt am Donnerstag, 21. Mai, um 19 Uhr in der Stadthalle. Weitere Informationen und Karten unter hndl.de
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