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Sascha Korf lacht zuerst

Kabarett im Apex Sascha Korf lacht zuerst

„Wer zuerst lacht, lacht am längsten“ titelt das aktuelle Programm von Stand-up-Comedian Sascha Korf. Als passendes Motto für sein interaktives Gastspiel im ausverkauften Apex hätte sich durchaus auch angeboten: Ein Abend mit türkischem Schaf.

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„Wer zuerst lacht, lacht am längsten“ titelt das aktuelle Programm von Stand-up-Comedian Sascha Korf.

Quelle: Heller

Göttingen. „Was hab ich mich auf heute gefreut. Ich zehre immer noch vom letzten Mal hier. 460 Psychologen und eine Spanierin – das war ein toller Abend. Und das müsste man heute noch toppen.“ Na, das ist ja mal ein Einstieg. Und Sascha Korf legt noch einen drauf. „Ich hab heute nichts vorbereitet.“ Durchaus ein Moment, um skeptisch zu werden. Aber das Blatt soll sich schnell wenden.

Korf begrüßt die Neulinge im Publikum. Celine, Medizinstudentin im dritten Semester. Und Meral. Woher der Name komme, fragt Korf nach. „Ich wurde nach dem Lieblingsschaf meines Opas benannt“, lautet die Antwort, ganz unbedarft und mädchenhaft bezaubernd. Das Leben darf eben ungestraft solche Pointen in der Böhmermann-Ära schreiben. „Dann werd ich direkt ein Gedicht über dich … nee, über Türken macht man keine Gedichte“, greift Korf die Vorlage auf und legt auch gleich sanft die Bremse wieder ein.

Dass neben den Medizinstudentinnen auch noch ein junger Mann sitzt, der bei der AOK arbeitet, ist eine Pointe für die ein Textschreiber wohl lange brüten würde. Noch keine fünf Minuten Programm, und das Publikum biegt sich bereits vor Lachen.

Korf ist ein wahres Energiebündel und ein Meister der Spontaneität. Der Wahl-Kölner bringt eine Mischung aus Stand-up-Comedy und Improvisation auf die Bühne, und das Publikum muss sich nur darauf einlassen. Behutsam nimmt Korf sein Publikum an die Hand, dreht ein bisschen nach, schießt die Pointen aus der Hüfte und stellt bei aller Situationskomik nie seine Akteure aus dem Publikum bloß. Mitmachen und Wohlfühlen. Der 48-Jährige ist ein Vollprofi und das Ganze klappt aus dem Stegreif.

Korf hat durchaus doch ein Programm in der Tasche. Er sinniert über Diäten und kohlehydratfreie Ernährung, über Korruption in der Fifa und Fußballer-Millionäre ohne Biss, über Handy-Abhängigkeit, fragwürdige Facebook-Freundschaften und Fernsehsendungen. Und Korf zeigt sich auch engagiert. Den elfjährigen Colin, der sich für den Deutschen Kinderhospizverein engagiert, holt er auf die Bühne. Für Homosexuelle macht sich Korf stark, für mehr Miteinander im Alltag und für die Freiheit der Satire.

Ein unterhaltsames Programm mit durchaus ernsten Momenten. Aber sobald Zuschauer spontan ins Spiel kommen, ist auch kein Halten mehr. Mit Alex bereitet er sich für eine „Tatort“-Rolle unter dem Motto „Ein Mörder mit Amnesie“ vor. Alex gibt mit Handbewegungen Begriffe vor. Korf muss raten und trifft auch recht schnell ins Schwarze. Zuschauer Tim hat die Aufgabe, Korf wie eine Marionette zu führen und ihn Volleyball spielen zu lassen. Der tappst wie ein Zombie, und von Ball kann nicht die Rede sein, aber das Publikum kommt kaum aus dem Lachen heraus.

Dass der Kölner schließlich noch versucht, Tim und Medizinstudentin Celine zu verkuppeln, ist nur folgerichtig. Das Leben schreibt die Pointen, und einer wie Korf beherrscht die hohe Kunst, sie einfach nur aufzuheben. Riesen-Applaus.

Von Karola Hoffmann

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