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Satirepreis „Göttinger Elch“ für Josef Hader

Król: „Heute ist er der Beste, Punkt“ Satirepreis „Göttinger Elch“ für Josef Hader

Der österreichische Kabarettist, Schauspieler und Autor Josef Hader ist am Sonnabend im Deutschen Theater mit dem „Göttinger Elch 2011“ ausgezeichnet worden, Deutschlands einzigem Satirepreis.

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Ein Elch und sein Preis: Josef Hader posiert hinter dem Turm von 99 Dosen Elchrahmsuppe.

Quelle: Heller

In einer fulminanten Veranstaltung überreichte ihm Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) die Urkunde, eine Elch-Brosche und 99 Dosen Elchrahmsuppe. Rainer Hald, Vorstandsvorsitzender der Göttinger Sparkasse, überbrachte das Preisgeld von 3333,33 Euro. Schauspieler Joachim Król hielt die Laudatio – und Hader spielte Hader.

Wir haben einen Neuen!“ Es brach förmlich heraus aus Lars Wätzold. Der Moderator der Verleihung des Satirepreises „Göttinger Elch 2011“ an Josef Hader am Sonnabend im ausverkauften Deutschen Theater (DT) verkündete den Vollzug, als Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) die Formalitäten erledigt (Urkunde überreicht, silberne Elchbrosche ans Hemd gesteckt) und Rainer Hald, Vorstandsvorsitzender des Sparkasse Göttingen, den Beutel mit den 3333,33 Euro übergeben hatte. Der Österreicher Hader ist nach dem Schweizer Emil Steinberger der zweite Ausländer im Elch-Rudel.

Er stehe im deutschsprachigen Kabarett einzigartig da, begründete die Elchpreis-Jury ihre Wahl. „Kein anderer versteht es wie er, auf der Kleinkunstbühne Kopf und Herz anzusprechen, Komik und Melancholie zu mischen, Empathie in Spott aufzulösen, zu wechseln zwischen Erschauern und Verlachen.“

Ein renommierter Kollege würdigte dann Hader: Joachim Król. Der brachte die Leistung Haders auf den Punkt. Er habe seine Berufung „früh gefunden, dran geblieben, hart gearbeitet. Heute ist er der Beste, Punkt.“ Und: „Es gibt weltweit keinen besseren Hader als Hader.“ Król blickte zurück in seine Kindheit und Jugend und verglich sie mit der von Hader: Hätten sie sich damals getroffen, „wären wir Freunde geworden, wenn uns die anderen wieder in den Klassenschrank gesperrt hätten.“ Schließlich bekannte Król: „Ich glaube Hader einfach alles.“

Dass Hader ein würdiges Mitglied in der Riege der jetzt 14 Elche ist, zeigte er nach der Pause in der zweiten Hälfte des Abends: „Hader spielt Hader“ heißt sein Programm, das von Veranstaltern gerne angekündigt wird mit dem Hinweis, das sei ja nichts besonderes, das mache er eigentlich immer. Doch es ist tatsächlich ein Ereignis, wenn er auf der Bühne steht und von all diesen Grauslichkeiten spricht – von seiner Scheidung und dem kleinen Krieg vorher. Vom Papst und den Kindern, die er nicht habe. Man müsse sich halt entscheiden: Auto oder Kind. Denn das stoße auch CO2 aus. „Keine Kinder für die Umwelt.“ Böse ist Hader und schaut dabei so harmlos aus seinen braunen Augen. Über Humanisierung sprach er und definierte: „Beruflich über Leichen gehen, aber mit Bioresonanz.“ Und Hader analysiert selbst sein Rezept: vom Privaten ins Politische.

„Scheußlich, wenn von einem selbst so lange die Rede ist“, kommentierte Hader schließlich die Zeremonie – und wohl niemand im Saal zweifelte an seinen Worten. Doch natürlich freute er sich über die Auszeichnung: „Man schaut sich an, wer den Preis vorher bekommen hat, das relativiert ihn. Dieser Preis relativiert mich.“ Und später am Abend beim launigen Gespräch bekannte er: „Schlechte Kabarettisten treiben eine Sau durchs Dorf. Hier werden Leute ausgezeichnet, die nie auf einer solchen Sau geritten sind“, sprachs und kicherte vergnügt vor sich hin.

Alt-Elch Harry Rowohlt hatte vorher schon das Publikum für Hader und Król aufgewärmt. Er las das Stück „Knolls Katzen“, für das Jan Neumann gerade mit dem „Förderpreis Komische Literatur“ der Stadt Kassel ausgezeichnet wurde. Rowohlt lieferte eine Glanzvorstellung, das Publikum amüsierte sich köstlich, die Lacherdichte lag im kritischen Bereich. Nur Ernst Kahl, seit 2007 Elchpreisträger, nörgelte hinterher ein wenig. Am Hader-Abend könne man doch nicht den Text eines anderen lesen. Da war er aber arg streng.

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