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Schamanischer Bären-Tanz

Götz Lautenbach entwickelt Theaterstück über Baron von Asch Schamanischer Bären-Tanz

Er meinte es gut mit der Universität. Zahllose Kisten, vollgepackt mit Büchern und Knochen, Edelsteinen und völkerkundlichen Kuriositäten sandte der Baron nach Göttingen, wo er Medizin studiert hatte. Mit einem Theaterstück hat die Ethnologie am Sonntag an Georg Thomas von Asch (1729-1807) erinnert.

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Götz Lautenbach als Baron Georg Thomas von Asch in der Enthnologischen Sammlung der Universität.        

Quelle: Liebetruth

Göttingen. Die dumpfen Schläge der Schamanentrommel hallen durch das Treppenhaus des Instituts am Theaterplatz 15. Produktionsassistent David Bolik ruft den deutschstämmigen Arzt in russischen Diensten aus dem Jenseits herbei. Langsam kommt Asch (Götz Lautenbach) die Treppe herunter gestiegen. Einen Gehrock trägt der Mediziner. Eitel rückt er die weiße Perücke auf dem Kopf zurecht. Selbstgefällig zitiert er aus der Totenrede, die sein Freund Prof. Christian Gottlob Heyne, der Leiter der Göttinger Universitätsbibliothek, auf ihn hielt.

Asch, dessen Vater nach Russland ausgewandert war, stieg nach dem Studium in der russischen Armee zum Generalfeldmarschall auf. Zarin Katharina die Große machte ihn 1777 zum Staatsrat. Seine vielen Schenkungen in den Jahren 1771 bis 1807 sind bis heute wichtiger Bestandteil vieler universitärer Sammlungen in Göttingen. Für das Theaterstück „Die Haut des Schamanen“ sind die Vitrinen mit Packpapier beklebt. Die Kisten tragen russische Aufschriften.

Im Innenhof des Instituts setzt Lautenbach den Bericht über einen Schneesturm in Sibirien in Szene. Einer von Aschs vielen Zulieferern hat ihn verfasst. Der Expeditionsteilnehmer hatte er sich völlig durchnässt seiner Kleidung entledigt. Nackt kauert der Schauspieler unter einem Bogen Packpapier, stürzt sich in ein Wasserbassin, wälzt sich im nassen Laub.

Wieder bekleidet erzählt Lautenbach den 50 Zuschauern von den Bogenkünsten der tungusischen Bewohner Sibiriens. Bolik schießt zielsicher einen Pfeil nach dem anderen auf einen Strohsack. Ein burjätisches Lied stimmt der Schauspieler in einem Seminarraum im ersten Stock an. Die instrumentale Begleitung (Joachim Böse) scheppert aus dem Kassettenrekorder.

In der Ethnologischen Sammlung befreit Lautenbach eine Vitrine vom Packpapier. Das Gewand eines tungusischen Schamanen kommt zum Vorschein. Das heruntergerissene Papier wickelt sich der Schauspieler um den Körper. Er zeigt den Tanz eines Schamanen, der sich in Trance in einen Bären verwandelt und über das Publikum herfällt.

Erklärungen zu anderen Ausstellungsstücken, die Bolik mit der Kamera filmt und über eine Leinwand flimmern lässt, folgen. Das Publikum klatscht begeistert. So lebendig lässt sich Ethnologie vermitteln. Nach dem Stück versichert der Kustos der Sammlung, Gundolf Krüger, dass dies nicht der erste Nackte im Innenhof des Instituts gewesen sei. Ein Student, der dort 1956 bei Vollmond nackt getanzt habe, sei von der Polizei in die Psychiatrie gebracht worden. Bei den Tungusen hätte ihn vielleicht der Schamane als Schüler angenommen. mic

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