Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Schauspielerin Eva Mattes im Deutschen Theater Göttingen

Mit Knallphobie zum Tatort Schauspielerin Eva Mattes im Deutschen Theater Göttingen

Sie ist wahrlich eine Erscheinung. Schauspielerin Eva Mattes betritt strahlend, im schwarzen, wallenden Gewand und mit pinkem Schal die Bühne des gut besuchten Deutschen Theaters, zur Titelmelodie von Pippi Langstrumpf. Mit 14 Jahren sang und sprach sie Pippi in der Serie und synchronisierte dazu in der Kinofassung den Tommi.

Voriger Artikel
Premiere von Andrew Bovells „Das Ende des Regens“ am Deutschen Theater Göttingen
Nächster Artikel
Premiere von „Nathan der Weise“ am Jungen Theater Göttingen

Schauspielerin Eva Mattes liest, erzählt und singt im Deutschen Theater

Quelle: Heller

Göttingen. Und wenn man schon nach Parallelen zwischen Astrid Lindgrens Heldin und Mattes suchen möchte, landet man ganz schnell bei den Stichwörtern „unkonventionell“ und „instinkttreu“.

Mattes ist barfuß gekommen und liest aus ihren 2011 erschienenen Erinnerungen „Wir können nicht alle wie Berta sein“. Dieses Zitat stammt aus Ibsens „Die Wildente“, das erste Stück, bei dem die Schauspielerin mit Regisseur Peter Zadek zusammenarbeitete.

Berta taucht im Stück nie auf, gilt aber als Idealbild der perfekten Frau. „Ich wusste früh ziemlich genau, was ich nicht wollte“, so die 1954 in Tegernsee geborene Schauspielerin, deren sehr persönliche Erinnerungen nicht nur unterhaltsam und witzig geschrieben sind, sondern gleichzeitig einen Streifzug durch die deutsche Theater- und Fernsehgeschichte darstellen.

Allein das ständige Nennen bedeutender Namen von Peter Zadek bis Harry Belafonte erweist sich zuweilen als enervierend.

Durch ihr frühes Mitwirken bei skandalträchtigen Produktionen wie Michael Verhoevens Anti-Vietnamfilm „O.K.“ im Jahre 1970, machte Mattes sich einen Namen. Verliebt sei sie in Verhoeven gewesen und selig habe sie sich nach einer Szene, in der sie in die eiskalte Isar geworfen worden sei, bei seiner wunderschönen Gattin Senta Berger in der Badewanne erholt, berichtet sie mit viel Gespür für das junge Mädchen, das sie einmal war.

Zusammen mit ihrer ehemaligen Mitbewohnerin aus Hamburg am Klavier, der Musikerin Irmgard Schleier, bereichert sie die Lesung mit Liedern und Chansons von Hans Albers – stilecht mit Mütze –, Marlene Dietrich, Walter Mehring und Wolf Biermann. Anhand der Auswahl der Stücke wird nicht nur ihr Hang zum Burschikosen, sondern auch ihr Engagement für den Frieden deutlich, das ihre Karriere stets begleitete.

Seit über zehn Jahren verkörpert sie die Klara Blum im Tatort Konstanz. „Klara Blum träumt, singt, tanzt, isst gern und fährt gern Auto – wie ich“, so die charismatische Mattes über ihre Rolle als Kommissarin, bei der sich ihre Knallphobie zunächst als etwas hinderlich erwies.

Nach etlichen musikalischen Zugaben, unter anderem Friedrich Hollaenders „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ endet der Abend mit einem afrikanischen A-cappella-Schlaflied, das Mattes mit ihrer vollen, tiefen Stimme den vielen Flüchtlingen dieser Welt in verzweifelter Lage widmet.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff