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Schirmchen ohne Stiel und Griff

Jahresausstellung Schirmchen ohne Stiel und Griff

Schlicht und einfach „zehnte“ nennt das Kollektiv der Göttinger Atelierhaus-Gruppe ihre aktuelle Jahresausstellung im Großen Saal der Musa, Hagenweg 2a in Göttingen. Eine Auswahl zahlreicher Bilder und Objekte von 16 Künstlern sind dort in etwas düsterer, aber umso spannenderer Atmosphäre gehängt und installiert.

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Innenleben von Toilettenpapierrollen: die Arbeit „Worthülsen“ von Manfred Pilz.

Quelle: Heller

Ein Oberthema gibt es nicht, die Schaffenden wollen ein Resümee ihrer Arbeit zeigen und zu einer kontrastreichen Entdeckungsreise auf engstem Raum durch vielfältigste Ausdrucksformen und Möglichkeiten einladen.

Im Eingangsbereich empfängt unter anderem Kristine Kuhlemann die Besucher mit kleinformatigen MDF-Quadraten in denen Räume eröffnet werden. „Afterwards“ heißt eine eisige Landschaft, die von knubbligen schwarzen Figuren aus dem Vordergrund betrachtet wird. Ein wüste Leere füllt den Rahmen, erscheint fern und zugleich zum Greifen nah. Kuhlemann schafft ein „Danach“, das viel anbietet, Identifikationen und Assoziationen. Ebenso an zeitlicher Verortung von topographischen und topologischen Plätzen orientiert zeigen sich die Werke „inbetween“ und „before time“. Modern aber gelassen kommen die Impressionen daher, alles kann sein.

Erhart Schröter präsentiert Material-Mischtechniken mit Stoffen aus dem afrikanischen Raum. Textilien aus Marokko hat Schröter großformatig aufgeklebt und mit Acrylfarben akzentuiert. Kaltes, Schimmerndes in einem Winkel wird gebrochen von einer faserigen Textur und einem sonderbaren Pink, das das Ensemble streift. Stimmiger wirkt „Cameroun“, Juterupfen mit Pigment. Das rohe für den Cafétransport bestimmte Material wirkt faszinierend solistisch und vermittelt durch seine weit gereiste Oberfläche eine starke und zu hinterfragende Verbindung mit der ehemaligen deutschen Kolonie aus Zentralafrika.

Ein besonderes Bonbon hat Bianka Methe in einem eigenen Raum versteckt. Ihre 2011 entstandene „Installation mit Regenschirmen und Folie“ soll in den separaten 40 Quadratmetern für sich allein wirken, raumfüllend – und anders. Experimente mit Alltagsgegenständen sind eine Spezialität Methes. Wie kleine schwarze Gespenster schweben die seriell gehängten Schirmchen ohne Stiel und Griff umgestülpt über dem Boden. Ihre Hütchen aus roter Folie blitzen im Licht zweier Scheinwerfer. Ebenso skurril wie komisch wirken diese gesichtslosen Gestalten. Der Windzug eines vorübergehenden Menschen lässt sie ein wenig schwingen. Jemand sagt: „Wie aus ,Harry Potter‘.“

Ebenfalls eine Entdeckung: die Röntgenbilder Diana Ja­neckes. In einem langen Glaskasten hängen Aufnahmen von Körpern, deren Inneres sichtbar ist. Was neben Gedärm noch hinter der durchleuchteten Hauthülle steckt, erscheint abstrakt. „sick society“ heißt dieses Werk Janeckes, das Organisches und Kaltes verbindet. In der Bilderfolge lösen sich die Umrisse des Menschlichen in amorphe Strukturen auf. Ob Verfallsprozess oder Sezieren der Substanz bleibt Ansichtssache. Klar ist jedoch: Ansehen lohnt sich.
Die Ausstellung ist bis Sonntag, 6. März, täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet, am Donnerstag bis 20 Uhr.

Von Anna Kleimann

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