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Schlechte Witze, starker Gesang: Duo Schwarzblond im Apex Göttingen

Schlechte Witze, starker Gesang: Duo Schwarzblond im Apex Göttingen

Was die beiden auf die Bühne bringen, nennen sie selbst Glamour-Pop-Entertainment. Recht haben sie damit. Im nahezu ausverkauften Apex liefert das musikalische Duo Schwarzblond aus Berlin eine unterhaltsame Show unter dem Titel „Schön, aber giftig“.

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„Schön, aber giftig“: Benny Hiller am Klavier und seine Sangespartnerin Monella Caspar.

Quelle: Heller

Göttingen. Das einzige, was nicht so recht sitzen mag, sind die Pointen. „Ich bin die Sonnenseite von Schwarzblond, und ich habe gleich zu Anfang eine gute Nachricht: Der Mann, der hier so hoch tönt, ist nicht kastriert“, stellt die Sängerin Monella Caspar zu Beginn ihres Auftritts über ihren Bühnenpartner Benny Hiller fest. Tatsächlich singt Hiller bemerkenswert sicher in den tiefen wie auch sehr hohen Lagen. Vier Oktaven umfasse sein Gesangsspektrum, wird Caspar am Ende des Programms erzählen. Umso platter wirkt der Witz über den vermeintlichen Kastraten.

Schlechte Witze zwischen Geistlosigkeit und Stumpfsinn ziehen sich durch das Programm. Das ist schade, denn Schwarzblond hat eigentlich viel zu bieten. Ihre Musik kann sich sehen lassen. Pop ja, einfache Melodien, aber eindrucksvoll gesungen und gekonnt vorgetragen. Vor allem Hiller entpuppt sich im Laufe des Abends als musikalischer Tau­send­sas­sa, der neben seinem Keyboard auch das Mischpult bedient, Didgeridoo spielt und besonders mit seinem Gesang überzeugt. Auch alle Texte und Gedichte stammen aus seiner Feder. Caspar dagegen glänzt mit ihrem an Annett Louisan erinnernden Gesang und durch ihre Kostüme. Früher habe sie als Modedesignerin gearbeitet, erzählt Caspar. Alle Bühnenoutfits seien von ihr selbst hergestellt. Das wirkt beeindruckend, denn die Kostüme sind oft sehr fantasievoll gestaltet. Um ihre Kleidung zu wechseln, muss Caspar aber regelmäßig, zum Teil sogar nach nur einem Lied, die Bühne verlassen. „Ich widme mich wieder meinem Kleiderschrank“, sagt die Sängerin dann und rauscht ab. Die Hälfte des Programms steht Hiller deshalb alleine auf der Bühne. Ein wenig nervig ist dieses Rauf- und Runter schon.

Doch beim Publikum kommt Schwarzblond trotzdem sehr gut an. Der Abend ist geprägt von langem Zwischenapplaus, hin und wieder auch von Bravo-Rufen aus Publikum. Das liegt zum einen an der musikalischen Kraft des Duos. Zum anderen überzeugen die Texte ihrer Lieder. Träumerische Liebesweisen haben in ihrem Programm ebenso Platz wie Witzlieder, etwa über die Fehde zwischen zwei Knöpfen oder jenes über die Vorteile älterer Damen als Liebespartnerin, das Hiller, wie viele Songs, im frechen Berlinerisch vorträgt: „Du bist echt tutti, ey Mutti, ick find’ dir voll okay. Ich steh’ auf reife Ladies, mit Herz und Portemon­naie.“ Und manchmal braucht es noch nicht einmal einen richtigen Text. „Schubdadudabdu“ geht es in einem Song in einer Tour. „Meinst du, die Leute haben den Text verstanden?“, fragt Hiller nach dem Lied. Brauchen sie gar nicht, großen Applaus gibt es für Schwarzblond trotzdem.

Von Daniela Lottmann

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