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„Freischütz“ im Schloss Wernigerode

Grün und Poppig „Freischütz“ im Schloss Wernigerode

Webers Oper „Der Freischütz" steht im Mittelpunkt der 21. Wernigeröder Schlossfestspiele. Maximilian Ponader hat sie mit einem jungen Solistenensemble im Innenhof des Schlosses inszeniert: zweieinhalb bunt-fröhliche Stunden mit schönen musikalischen Momenten, laut und herzlich beklatscht.

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Selbst die Wolfsschlucht ist ziemlich bunt und fröhlich: Webers "Freischütz" im Innenhof des Schlosses Wernigerode.

Quelle: Schäfer

Wernigerode. Grün ist die Pflichtfarbe für die „Freischütz“-Ausstattung. Selbst die Musiker des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode tragen grüne Accessoires. In besonders schrillen Grüntönen schillern einige Kunsthaarperücken der Choristen.

Im Programmheft erläutert Regisseur Ponader seine Konzeption ausführlich. Dort heißt es, dass Jägerbursche Max die Welt aus Unkenntnis fürchtet und durch sein Wolfsschlucht-Erlebnis ein neuer Mensch wird. Nicht alles davon kann man in dieser hier und da poppig überwucherten Aufführung nachvollziehen. Manches wirkt unfreiwillig komisch. Doch, o Wunder, das ist nicht lächerlich, sondern berührt sympathisch. Denn alle wollen ihre Sache wirklich gut machen, auch wenn einer mal übers Ziel hinausschießt.

Schließlich wird im „Freischütz“ ja auch viel geschossen – und zwar ganz friedlich. Die Plastik-Gewehre haben nichts Furchterregendes, den Büchsenknall ahmt Samiel mit angestochenen Luftballons sanft nach. Der gar nicht so böse Mann ist durchweg auf der Bühne präsent, nur selten im Vordergrund, und arbeitet sogar als Kulissenschieber.

Grellbunte Farbtupfer

Im Solistenensemble müssen zwei Damen an erster Stelle genannt werden: Julia Cramer, die eine musikalisch wie darstellerisch edle Agathe mit ihrem kultiviert eingesetzten Sopran präsentiert, und Linda Hergarten als ihre junge Verwandte Ännchen mit ihrem hellen, leichten, beweglichen Sopran. Sie setzt wunderhübsche grellbunte Farbtupfer und könnte optisch einer ZDF-Schlagershow entsprungen sein.

Termine

Weitere Termine: 19., 20., 26. und 27. August um 19.30 Uhr sowie am 28. August um 15 Uhr im Fürstlichen Marstall. Karten unter Telefon 03 91 / 599 97 00 und unter pkow.de. Bei schlechtem Wetter wird im Fürstlichen Marstall gespielt (Wetter-Hotline an den Aufführungstagen ab 18 Uhr unter 0176 / 52 22 02 56).

Gegen so viel Frauenpower hat es der brave, im Schießen glücklose Max naturgemäß schwer. Doch musikalisch ist der Tenor Karo Khachtryan eindeutig treffsicher, seine nicht sonderlich große Stimme vermag den Open-Air-Raum durchaus zu füllen. Angemessen böse und mit beachtlichen musikalischen Qualitäten spielt Till Bleckwedel den fiesen Kaspar, der am Ende Samiel zum Opfer fällt.  

Fürs Volkstümliche ist hier vor allem der Chor zuständig, die Singakademie Wernigerode, verstärkt durch Mädchen des Pädagogiums Bad Sachsa. Sie dürfen auch mal stumm mit den Armen wedeln oder kollektiv erschrocken sein. Da ist bisweilen das Ohnsorg-Theater nicht weit.

Christian Fitzner hat sein gut disponiertes Orchester stets im Griff, sorgt für ein ausgewogenes Klangbild und ist nur dann machtlos, wenn die Choristen beharrlich auf der Überholspur singen. Ein unterhaltsamer Abend in wunderschöner Atmosphäre.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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