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Schmelz junger Stimmen

26. Internationale Fredener Musiktage Schmelz junger Stimmen

Wenn das Thema eines Festivals „Bella Italia“ heißt, darf das Musiktheater nicht fehlen. Deshalb gab es am Dienstag einen Opernabend mit Arien und Ensembles von Mozart, Donizetti, Rossini, Verdi und Puccini. Drei Solisten waren zu hören: Lavinia Dames, Christopher Hutchinson und Samuel Hasselhorn.

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Das Gesangstrio des Abends: Samuel Hasselhorn (links), Lavinia Dames und Christopher Hutchinson.         

Quelle: Schäfer

Freden. Für ein ausgewachsenes Opernorchester ist die Zehntscheune nicht groß genug. Deshalb hatte der Pianist Boris Kusnezow den Begleitpart am Klavier übernommen. Alle drei Solisten eröffneten den Abend gemeinsam mit dem Terzett „Cosa sento“ aus Mozarts „Figaro“ und führten den Schmelz ihrer jungen Stimmen vor. Besonders hell leuchtend entfaltete sich der sicher geführte Sopran von Lavinia Dames, die auch in diesem konzertanten Rahmen ihre ausgesprochen natürliche, anmutige Bühnenpräsenz ausspielen konnte.

Der amerikanische Tenor Christopher Hutchinson suchte nur anfangs bei gefährlich hohen Spitzentönen Zuflucht im Falsett. Im Verlauf des Abends gewann er hörbar an stimmlichem Selbstvertrauen hinzu und gefile mit der Durchschlagskraft seines metallischen, wenn auch nicht ganz vollklingenden Timbres, beispielsweise in der Arie des Ferrando „Un aura amorosa“ aus Mozarts „Così fan tutte“ und in dem Verdi-Hit „La donna è mobile“ aus „Rigoletto“. Viel Spielwitz zeigte er in Donizettis „Una furtiva lagrima“ aus „Elisir d’amore“.

Der Bariton Samuel Hasselhorn besitzt ein bemerkenswertes Volumen mit beeindruckender samtener Tiefe und großer Leichtigkeit in der Höhe, womit er in der Arie des Almaviva „Hai gia vinta la causa“ aus Mozarts „Figaro“ das Publikum nachhaltig begeisterte. Seine eindrucksvoll flinke Artikulation führte er später in der Arie „Largo al factotum“ aus Rossinis „Barbier von Sevilla“ virtuos vor. 

Lavinia Dames zeigte in der Arie der Susanna „Giunse alfin il momento“ aus Mozarts „Figaro“ die große Bandbreite ihrer Ausdrucksmöglichkeiten, zu Herzen gehende Töne der Liebessehnsucht, der Hoffnung, wundervolle Pianissimo-Passagen, aber auch kernig konturierte Linien. Dem fügte sie in Donizettis Arie „Quel guardo il cavaliere“ aus „Don Pasquale“ sehr verschmitzte, ansteckend fröhliche Klänge hinzu, bewegend zärtliche in Puccinis „Oh, mio babbino caro“ aus „Gianni Schicchi“.

Boris Kusnezow am Flügel begleitete die Sänger mit einem geradezu zärtlichen Anschlag, dazu mit viel Gespür für die Orchesterfarben. Die Begeisterung in der vollbesetzten Zehntscheune entlud sich in lang anhaltendem Beifall. Die Zugabe: das Duett „La ci darem la mano“ aus Mozarts „Don Giovanni“, wobei sich Hasselhorn und Hutchinson die Rolle des Don Giovanni teilten. So hatte Lavinia Dames als Zerlina am Ende gleich zwei Bewerber um ihre Gunst – zum hellen Vergnügen des Publikums.

Solisten aus der Region

Lavinia Dames, 1990 in Göttingen geboren, ist seit 2014 Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein. In Göttingen wurde sie von Uta Grunewald unterrichtet, war dann bis 2010 Studentin am Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter (IFF) an der Musikhochschule Hannover und studierte später in Wien. Schon während des Studiums wurde sie mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Samuel Hasselhorn, Jahrgang 1990, stammt aus Hardegsen. Seine ersten musikalischen Erfahrungen sammelte er in der Mauritius-Kantorei bei Gerhard Ropeter. Er studierte zwischen 2008 und 2014 an der Musikhochschule Hannover Operngesang und wird derzeit weiter in der Soloklasse in Hannover ausgebildet. 2013 gewann er den ersten Preis beim Internationalen Schubert-Wettbewerb in Dortmund. In der Saison 2016/17 gibt er Liederabend-Debüts in New York und Washington D. C.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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