Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
„Schmetternde Tiefe“

Rathausserenade „Schmetternde Tiefe“

In der Kammermusik werden gern Gattungen bevorzugt, die einheitlich besetzt sind. Kombinationen von Streichern und Bläsern hört man eher selten. Umso schöner, dass vier Musiker des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) am Montag in der Rathausserenade derartige Raritäten vorstellten: Musik für Oboe und Streicher.

Voriger Artikel
Buchstaben mit Eigenleben
Nächster Artikel
Spanien im Mittelpunkt

Das Göttinger Symphonie-Orchester bei einem Konzert in der Kantorei St. Jacobi.

Quelle: Archiv (Symbolbild)

Göttingen. Oboist Tiago Coimbra tritt immer wieder in Symphoniekonzerten mit tonschönen Soli hervor. Nun konnte er das einen ganzen Abend lang tun – im intimen Rahmen der Quartettbesetzung. Mit ihm musizierten der Geiger Jordi Herrera Roca, der Bratscher Atsushi Komatsu-Hayakawa und die Cellistin Joanna Kielar-Zachlod.

Auf dem Programm standen drei Quartette für Oboe und Violine, Viola und Violoncello: das F-Dur-Quartett von Mozart KV 370, ein Quartett in B-Dur von Johann Christian Bach und das „Phantasy Quartet“, ein Frühwerk von Benjamin Britten. Ergänzend waren zwei Streichtrios zu hören: Variationen über das bayrische Volkslied „’S Dirndl is harb auf mi“, die Richard Strauss als 18-Jähriger geschrieben hat, und ein einsätziges Intermezzo von Zoltán Kodály.

Mozart hat das Quartett für den Mannheimer Oboisten Friedrich Ramm komponiert. Ihm schrieben die Zeitgenossen einen „schönen, runden, sanften und wahren Ton“ auf der Oboe zu mit einer „schmetternden Tiefe im Forte“. Diese Qualitäten zeigte Coimbra ebenso, wobei man bei ihm besonders den wunderbar singenden Ton hervorheben muss, der den Streicherklang glänzend überstrahlen, sich aber dennoch auch mit ihm mischen kann, dazu eine Pianissimo-Kultur bis in den höchsten Lagen des Instruments. Besonders schön das dramatische Adagio und das virtuose Schlussrondo mit seinen rhythmischen Finessen.

Das führte Coimbra auch in dem galanten Quartett von Johann Christian Bach vor, in dem die Musiker eine höflich-kultivierte Konversation vorführten. Einzig vom Violinisten hätte man sich hier und da ein wenig mehr Nachdruck wünschen können, er hielt sich mit seinen thematischen Beiträgen manchmal etwas zu bescheiden zurück. Das jugendlich frische Britten-Quartett verrät die leichte Hand des Hochbegabten – von den Musikern mit ebensolcher Leichtigkeit und Frische präsentiert.

Sehr unterhaltsam waren die beiden Stücke für Streichtrio. Viel Beifall für einen Kammermusikabend auf sehr hohem Niveau – und eine besonders hübsche Zugabe: Irving Berlins Evergreen „White Christmas“ in einem rhythmisch außergewöhnlich pfiffigen Arrangement, das Bratscher Atsushi Komatsu-Hayakawa eigens für dieses Quartett geschaffen hat.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff