Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
„Schnittchen, Sekt und Sirenen“

Literatur auf dem Campingplatz in Dransfeld „Schnittchen, Sekt und Sirenen“

Die Eifel muss ein finsteres Pflaster sein. Oder langweilig. Oder beides. Viele Autoren leben hier, die einen Krimi nach dem anderen schreiben. Sogar ihre eigene „Criminale“ haben sie gegründet, ein Lesefestival für Krimifreunde. Einer der bekanntesten Eifelkrimi-Autoren ist Jacques Berndorf, ein etwas weniger bekannter Guido M. Breuer.

Voriger Artikel
„Toxi.Man“ ist Stück des Monats
Nächster Artikel
„Unerhört viel Vollendung im Spiel“

Mord und Totschlag in der Eifel: Krimiautor Guido M. Breuer.

Quelle: JV

Göttingen. Er hat eine Geschichte zu der Krimi-Anthologie „aufgebockt und abgemurkst“ beigesteuert und gehört zu den drei Autoren des Buches, die sich derzeit eine Lesereise quer durch Deutschland aufteilen. Alle drei sind mit Wohnwagen unterwegs und lesen auf Campingplätzen. Das liegt nahe, denn alle Geschichten in dem Band spielen dort. Am Dienstag trat Breuer auf dem Wohnwagen- und Zeltstellplatz in Dransfeld auf, leider nicht unter freiem Himmel. Auf einem anderen Platz habe man schlechte Erfahrungen mit Umgebungslärm gemacht und die Lesung deshalb in ein Zelt verlegt, erklärt Breuer. Und rund 30 Besucher wollten dabei sein.

Altmodisch

„Abgemurkst“ wird in Kriminalgeschichten heute eigentlich nicht mehr. Etwas altmodisch klingt der Begriff aus dem Titel der Anthologie, so altmodisch vielleicht wie das Leben in der Eifel. Man könnte es aber auch bodenständig oder entschleunigt nennen. So wirken die Menschen in den Geschichten von Berndorf, die von Breuer auch: ein bisschen knorrig, ein wenig eigenwillig, Eifler eben. Solche Menschen hat Breuer in seiner Geschichte auf einem Campingplatz in der Eifel versammelt. Der Protagonist, ein Ortsfremder, der sich Klopfer nennt, kommt hier mit seinem Partner Bambi an, ein Zweimeter-Hüne schlichten Gemüts. Mit einem riesigen Grill locken die beiden andere Camper an. Am Abend wird getrunken, gegrantelt und gescherzt. In der Nacht verschwindet ein Staatsanwalt, natürlich spurlos. Breuer schreibt nicht immer ganz frei von Klischees, aber grundsolide.

Sichtlich Spaß am Auftritt

Rund 30 Minuten braucht der Autor, um das Geschehen von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen, ein Kurzkrimi eben. Unaufgeregt entwickelt sich der Plot, ebenso liest Breuer, der sichtlich Spaß an seinem Auftritt hat. Er dramatisiert nicht unnötig, verschleppt aber auch die Entwicklung nicht.

In der Pause werden belegte Weißbrotschnitten gereicht, ein Korken knallt wie ein Schuss. Dann fährt ein Polizeiauto im Einsatz in der Nähe vorbei. Breuer ist hellwach. „Schnittchen, Sekt und Sirenen – das ist doch schon der Titel der nächsten Anthologie“, sagt er scherzend.
Im zweiten Teil werden Breuers Beiträge noch kürzer. Ein Förster wird erdolcht, versenkt, auf einen Haken gespießt, versteckt und entdeckt, ein Unschuldiger dafür verhaftet. Ein junger Mann lebt sein todbringendes Talent in einer Geisterbahn aus. Und schließlich schimmert fahles Mondlicht – ein einem an Goethe orientierten Krimi-Gedicht. Das Publikum ist es zufrieden, der Autor auch.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

Fotografie-Ausstellung „In saeculo lux“ in der Galerie Ahlers