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Schöne Balance und sprödes Grönland

Literaturherbst Schöne Balance und sprödes Grönland

Die beiden Autoren Tim Parks und Anna Kim sind auf dem diesjährigen Literaturherbst vertreten. Parks liest aus seinem Buch „Sex ist verboten“ und Kim aus ihrem Buch „Anatomie einer Nacht“.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Schöne Balance

Beth ist eine ziemlich wilde junge Frau. Sie ist Sängerin einer Rockband und hat viel Spaß mit Alkohol, Drogen, Partys, zwei Liebhabern und einer Liebhaberin. Ein nächtliches Bad im wilden Meer bringt sie dem Tod nahe. Beth bricht mit ihrer Vergangenheit und zieht sich in ein buddhistisches Meditationszentrum zurück, erst als Teilnehmerin eines Kurses, später dann über Monate als Küchenhelferin. Tim Parks erzählt diese Geschichte in seinem jüngsten Buch „Sex ist verboten“ ­– ein irreführender deutscher Titel des ursprünglich englischsprachigen Romans.

Klar, Sex ist verboten in diesem Retreat. Aber noch mehr ist untersagt. Frauen und Männer bewegen sich meist in getrennten Abteilungen. Berührungen? Auf keinen Fall. Reden wird oft auch versagt, telefonieren sowieso. In dieser Umgebung ist Beth auf der Suche nach sich selbst. Tatsächlich findet sie sich irgendwann. Vorher allerdings leidet sie sich durch ihre Zeit in diesem Meditationszentrum.

Wer Spaß an innerer Einkehr hat, an dem Punkt der Ruhe ganz tief im Inneren, an Sitzen bis alles schmerzt und dann Erkenntnis kommt, der sollte auch Spaß haben an Parks Buch, das eine schöne Balance zeigt zwischen leicht ironischer Distanz und meditativem Gehalt. Ist eher so ein Zielgruppending: Interesse an Meditation Voraussetzung, Distanz notwendig.

Tim Parks: „Sex ist verboten“. Kunstmann, 320 Seiten, 19,95 Euro. Lesung beim Literaturherbst am Montag, 15. Oktober, um 19 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9.

Von Peter Krüger-Lenz

Sprödes Grönland

Amarag könnte ein Ort auf Grönland sein. Er erstreckt sich über zwei Berghänge, hat kein eigentliches Stadtzentrum, aber einen Platz auf dem man sich trifft. Alles hier „hat zumindest einen, meistens mehrere Zwecke zu erfüllen: die Post ist auch Bank, der Supermarkt Heimwerkerladen, die Sporthalle das Fast-Food-Restaurant der Stadt“. Anna Kim hat diesen Ort auf Grönland für ihren Roman „Anatomie einer Nacht“ ersonnen. Und hier findet in der Nacht vom 31. August auf den 1. September 2008 eine Reihe von Selbstmorden statt. Elf Menschen aus allen Schichten und Altersklassen bringen sich um. Nur scheinbar haben diese Selbstmorde nichts miteinander zu tun.

Die 1977 geborene Kim, die seit 1984 in Wien lebt und bislang 2008 den Roman „Die gefrorene Zeit“ vorlegte, erzählt in ihrem aktuellen Buch die Geschichte dieser elf Menschen, ihrer letzten Stunden. Und von Grönland, dieser kargen Landschaft, von den Konflikten mit Dänemark und den Dänen. Zunächst macht sie es dem Leser schwer, sich zurecht zu finden, die Abschnitte über die einzelnen Personen, sind kurz. Kleine Häppchen nur. Immer wieder muss man zu der Liste blättern, die dankenswerter Weise ebenfalls im Buch ist und verrät, wer wer ist.

Auch ihre Sprache zeigt sich zunächst sperrig. Die Versuche dieses Amarag entstehen zu lassen, sind manchmal etwas verschroben intellektuell. Wer durchhält, wird allerdings belohnt. Langsam, aber dann berührend  entfaltet Kim diese spröde, extreme, einsame nordische Welt und die Charaktere der elf Menschen.

Anna Kim: „Anatomie einer Nacht“. Suhrkamp, 303 Seiten, 19,95 Euro. Die Autorin liest beim Göttinger Literaturherbst am Freitag, 12. Oktober, um 19 Uhr im Alten Rathaus Göttingen.

Von Christiane Böhm

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Literaturherbst beginnt

60 Referenten, Moderatoren, Sprecher und Übersetzer aus sieben Ländern nehmen am 21. Göttinger Literaturherbst vom 12. bis 21. Oktober teil. Am Freitag wird das von Christoph Reisner organisierte Literaturfestival in der Paulinerkirche um 19 Uhr eröffnet.

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