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Schönheit im Anderssein

Ausstellung: Fotografien von Julia Krahn Schönheit im Anderssein

„SchönerHeit – Das Hohelied der Liebe in Bildern“ titelt eine Foto-Ausstellung von Julia Krahn, die seit Donnerstag in der Göttinger St. Johanniskirche zu sehen ist. Im Mittelpunkt stehen dabei zwölf Bewohner einer Einrichtung von Diakovere Annastift. Sie alle sind Menschen mit Handicaps.

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Julia Krahn zeigt ihre Fotografien in der Göttinger St. Johanniskirche.

Quelle: Hinzmann

Göttingen/Hannover. Mit klarem Blick sieht der junge Mann den Betrachter direkt an. Verletzlich und selbstbewusst zugleich. Den Kopf geneigt, den Mund leicht geöffnet. Der junge Mann mit dem wilden Lockenkopf kniet, ein weißes Tuch um seine Hüften geschlungen, auf einem Teppich. Ein hübscher junger Mann. In einer seiner verkrampften Hände hält er einen Hagebuttenzweig.

Zwei Frauen sitzen Rücken an Rücken auf dem Boden. Die stilisierte Szenerie verharrt in einem verträumten, entrückten Moment. Auch wenn die Frauen nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen sind sie in eine Aura des Schönen gehüllt. Auch die anderen Fotografien zeigen exakt choreografierte Porträts, Früchte, Wild, eine Turteltaube, das Sinnbild der Liebe.

Die 26 Fotografien lassen an eine Theaterinszenierung denken, dionysische anmutende Kompositionen voller Symbolik vor tief schwarzem Hintergrund. Übliche Schönheitsideale werden in den Porträts hinterfragt. Ein Anderssein wird in einen Kontext zum Hohelied der Liebe Salomos gestellt. Die Ausstellung stimmt ein Hohelied auf die Schönheit behinderter Menschen an.

„Die Ausstellung gibt einen eigenen Beitrag zum Thema Schönheit“, erklärte Gerhard Schridde, Pastor der Kirchengemeinde St. Johannis während der Pressevorbesichtigung. Damit werde ein Ausrufezeichen gesetzt. Dietrich Bonhoeffers Frage „Wer bin ich?“ werde inzwischen verdrängt von einer anderen Frage, sagte Prof. Dr. Christoph Dahling-Sander, Geschäftsführer der Hanns-Lilje-Stiftung, die neben der Anna von Borries Stiftung die Wanderausstellung fördert. „Bin ich schön?“, laute heute eine Grundfrage gesellschaftlichen Zusammenleben. Das Handy werde alltäglich wie ein eigener Spiegel in der Hand gehalten.

Über die Entstehung der Bilderserie berichtete die international tätige und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Künstlerin Julia Krahn. Über die Kommunikation mit den zwölf Porträtierten, die Auseinandersetzung mit deren Handicaps und die logistischen Herausforderungen, um die Fotografien in der Mutterhaus-Kirche des Henriettenstifts in Hannover zu erstellen. Sie habe etwas erarbeiten wollen, was schöner ist. „Vielleicht etwas Neues, was wir noch noch nicht definiert haben.“ In enger inhaltlicher Zusammenarbeit mit den Darstellenden seien die Fotografien entstanden. „Alle wollten sich anschauen lassen“, so Krahn. Denn eine Erfahrung der Porträtierten laute: „Es tut viel mehr weh, dass Leute wegschauen.“

Die Wanderausstellung wird am Donnerstag, 19. Mai, um 18 Uhr in der St. Johanniskirche von Landesbischof Ralf Meister eröffnet. Die Künstlerin Julia Krahn und die Darsteller sind anwesend. Die Foto-Ausstellung ist bis 22. Juni Mittwoch bis Freitag 11 bis 17 Uhr und Sonnabend von 11 bis 15 Uhr zu sehen. Jeden Mittwoch um 19 Uhr gibt es dialogische Führungen.

Von Karola Hoffmann

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