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Schriftsteller Marcel Beyer hält Poetikvorlesung in Göttingen

Wirklichkeit mit Löchern Schriftsteller Marcel Beyer hält Poetikvorlesung in Göttingen

Nicht um Antworten geht es Marcel Beyer, sondern darum, immer weiter zu fragen. Unter dem Titel „Stoffproben – Webfehler, Löcher“ hat der Lyriker und Schriftsteller am Mittwochabend in der gut gefüllten Aula der Universität am Wilhelmsplatz seinen Vortrag über zusammengewobene Wirklichkeit und daraus entstehendes Schreibmaterial gehalten.

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Inspiriert wurde er von Friedrich Dürrenmatts Sammelband „Stoffe“: der Autor Marcel Beyer.

Quelle: Vetter

Göttingen. Die vom Seminar für Deutsche Philologie und dem Literarischen Zentrum Göttingen gemeinsam organisierte zweiteilige Poetikvorlesung fand nach dreijähriger Pause erstmals unter dem neuen Namen „Lichtenberg-Poetikvorlesung“ statt.
 „Wüsste ich heute, was ich in Zukunft schreiben werde, könnte ich meinen Laptop getrost am Straßenrand liegenlassen“, sagt Bayer von sich selbst.

So kommt es, dass gerade die undurchsichtige Wirklichkeit, die Wirklichkeit mit „Löchern“ und „Webfehlern“, diejenige ist, welche seine Gedichte entstehen lässt und die Bayer selbst in umkreisender Weise zu erschließen versucht.

Der in diesem Jahr mit dem Kleist-Preis und dem Oskar-Pastior-Preis ausgezeichnete Autor berichtet davon, wie er am Dresdner Flughafen durch die Sicherheitsschleusen geleitet wird, während er gleichzeitig in den Erinnerungen des französischen Schriftstellers Georges Perec lebt und wie dieser,  von seiner Mutter in den Zug gesetzt, zur Evakuierung aus dem besetzten Frankreich flieht.

Ein verlassenes Hotelzimmer, ein Kaninchenbau, das Plakat der Schauspielerin Veronika Ferres. Erinnerungen, Vergessenes und Aufgezeichnetes sind es, die sich einmischen in Bayers Flughafen-Wirklichkeit und fortan in seinen Texten geistern.

Inspiriert wurde er von Friedrich Dürrenmatts Sammelband „Stoffe“, erklärt der in Dresden lebende Bayer. In diesem ging Dürrenmatt eben jenen Stoffen nach, die er nie zu Ende gebracht hat. Doch gerade solcher Art lose Enden und Umformungen, solche „Webfehler“ sind es, die Bayer für sich neue Gedichte schaffen lässt.

Von Swenja Lohrengel

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