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Performance in der Gymnastikhalle

Schüler stellen Fotos von Geflüchteten nach Performance in der Gymnastikhalle

Liz Magic Laser vereint zeitgenössische Kunst mit weltpolitischen Themen. Für eine Ausstellung im Alten Rathaus arbeitet sie mit Geflüchteten und Schülern des Max-Planck-Gymnasiums. Ein Workshop soll die Schüler nicht nur in die Performance-Kunst einführen, sondern auch das Thema Flucht näher bringen.

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Liz Magic Laser mit Schülern des Max-Planck-Gymnasiums.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Die Künstlerin zeigt dafür aktuelle Fotos aus Tageszeitungen, die Fluchtsituationen abbilden. Diese Bilder sollen von den Schülern nachgestellt werden.

Zur Einführung in die dreitägige Veranstaltung reflektieren die Schüler der 8L ihre Gestik. Die 13- und 14-jährigen Gymnasiasten stehen im Kreis, strecken die Arme nach oben, klopfen sich gegenseitig auf die Schulter oder winken sich zu. „Wie sagst du ,Nein‘?“ fragt die Künstlerin. „Wie sagst du, jemand sei verrückt?“ Mit Fragebögen hatte die Künstlerin die Schüler zwei Wochen zuvor nach ihren persönlichen Angstsituationen gefragt. Dieselben Übungen hatte Laser bereits mit der Sprachlernklasse durchgeführt, die die Gestiken teilweise ganz anders umsetzten. Die Sprachlernklasse begleitet acht Geflüchtete aus Syrien und Afghanistan, die seit Februar an der Schule sind und auch von ihrem eigenen Schicksal erzählten.

„Es geht um den Versuch, sich in das Gefühl hineinzuversetzen“, sagt Tina Lüers, die Klassenlehrerin der 8L. Sie unterrichtet die Schüler in Kunst und Deutsch. Der Workshop biete eine Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst und vor allem mit der Performance, die selbst Erwachsenen oft fremd scheine, sagt Lüers. Zudem fördere das Projekt die Englischkenntnisse der Gymnasiasten. „Für die Schüler ist es bereichernd, in einen künstlerischen Austausch treten zu können“, ergänzt Lüers. „Das ist mal etwas anderes als der normale Kunstunterricht.“

Um sich in die Situationen der Geflüchteten hineinversetzen zu können, laufen die Schüler durch die Gymnastikhalle, beladen mit Bällen und leeren Kisten, die ihr Gepäck darstellen. Gespielt mühselig tragen sie es auf ihren Schultern. „Stellt euch vor, ihr seid schon über Stunden gelaufen. Ihr braucht Hilfe“, ermuntert die Kuratorin der Ausstellung, Anna Lückenkemper, die Schüler, sich ganz in die Situation der Geflüchteten einzufühlen. Manche der Schüler kippen symbolisch und mitsamt dem Gepäck auf die ausgelegten Matten. Die Schüler stellen mehrere Fotos nach, die Menschen auf der Flucht zeigen: Beispielsweise einen jungen Mann, der die Arme hilfesuchend ausstreckt.

Der Workshop entstand in Zusammenarbeit des Kunstvereins und dem Max-Planck-Gymnasium. Ab Sonntag, 20. März, bis Sonntag, 15. Mai, sind die Ergebnisse zusammen mit Werken der Künstlerin in der Ausstellung „Identification please“ im Alten Rathaus, Markt 9, zu sehen. Neben den nachgestellten Fotos, die zusammen mit Texten in das Schema eines Zeitungsartikels eingefügt werden, zeigt ein Video den Verlauf des Workshops.

Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Die Vernissage am 20. März beginnt um 11.30 Uhr.

 

Von Tomke Aljets

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