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Sebastian Schnoy mit „Von Stauffenberg zu Guttenberg“ im Apex

Der letzte legitime Thronfolger Sebastian Schnoy mit „Von Stauffenberg zu Guttenberg“ im Apex

 Noch immer leben Großfamilien in Europa abgeschottet vom Rest der Gesellschaft. Sie sind verbunden durch jahrhundertealte Riten, heiraten unter sich und essen wilde Tiere, die sie in heimischen Wäldern selbst jagen.

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Befasst sich mit der Geschichte des europäischen Adels: der Kabarettist Sebastian Schnoy.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Als Historiker kennt sich Kabarettist Sebastian Schnoy mit Geschichte aus. In seinem Programm „Von Stauffenberg zu Guttenberg – Der Adel patzt immer zum Schluss“ hat er am Sonnabend im nahezu ausverkauften Apex die Geschichte des europäischen Adels unter die Lupe genommen.

„Wir können uns vom Adel und der Monarchie viel abschauen“, stellt Schnoy fest. So ließe sich etwa die Griechenland-Krise nach Adelsmanier leicht lösen. „Zypries heiratet Merkel, und dann wär´s erledigt.“ Überhaupt sei der Adel für die Zukunft durch eine „irre hohe Geburtenrate“ gewappnet. Mit einer Rate von durchschnittlich 1,3 Kindern ist hingegen in Deutschland „in 200 Jahren Schluss“, rechnet der Kabarettist vor.

„Eigentlich wollte ich den Adel fertigmachen. Dieses Dreckspack, das uns so ausnimmt“, erklärt er. Doch seine eigene Familiengeschichte habe ihn davon abgebracht. Da seine Urgroßmutter einst Zimmermädchen am Hohenzollern-Hof war und ein uneheliches Kind zur Welt brachte, folgert Schnoy: „Ich habe Grund zur Annahme, der letzte legitime Thronfolger in Deutschland zu sein.“ Hinlänglich widmet sich der Hamburger der britischen Monarchie. Berichtet von Eigenarten der Royals und deutschen Herrschern auf dem Thron. Dröselt Verbindungen auf und stellt klar, dass die Ursprünge auf der Insel durch  Angeln und Sachsen maßgeblich auf „Importe aus Deutschland“ zurückgehen. Die Zuschauer haben ihren Spaß, wenn Schnoy detailreich parliert und Umfragen hält.

Für viele Lacher sorgen die Vergleiche historischer und aktueller Ereignisse. So trifft etwa Gutenberg als Erfinder des Buchdrucks auf Guttenberg, „der das Abschreiben wieder eingeführt hat.“ Auch die auf Jahrhunderte angelegte Bauweise des Adels hat es dem Geschichtskenner angetan. Heutzutage werde nur noch für 20 Jahre gebaut, und Politiker übernähmen langfristig auch keine Verantwortung. Neuschwanstein-Erbauer Ludwig II. ging wegen Schulden in den See. Aber wurde Wowereit schon einmal an der Spree gesehen?

Die skandalträchtige Elefantenjagd des spanischen Königs, erfolglose Attentate auf Hitler, dazu ein wenig rühmliches Kapitel im Leben des Hitler-Attentäters Stauffenberg: Die Kritik am Adel hält sich arg in Grenzen. Wenig verwunderlich bei Schnoys Bekenntnis, über die Arbeit am Programm „großer Adelsfan geworden“ zu sein. Ein unterhaltsamer Abend, mehr Polemik wäre wünschenswert gewesen.

Von Karola Hoffmann

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