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"Mir ist die Melodie wichtig"

39. Göttinger Jazzfestival "Mir ist die Melodie wichtig"

Der Jazzmusiker Sebastian Studnitzky schafft es mit wenigen Tönen auf der Trompete oder dem Piano Stimmungen zu schaffen. Bekannt wurde er an der Seite von Jazzanova und Nils Landgren’s Funkunit. Jetzt gastiert er mit seinem eigenen Quartett und atmosphärischem Jazz am Mittwoch, 9. November, beim 39. Göttinger Jazzfestivals im Alten Rathaus.

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Sebastian Studnitzky wird beim Göttinger Jazzfestival zusammen mit seinem eigenen Quartett auftreten.

Quelle: R

Das Tageblatt sprach mit dem Multiinstrumentalisten über seine Liebe zur Stille, zu Streichern und zum Radfahren.

Tageblatt: Es ist jetzt 10 Uhr morgens. Haben Sie heute schon Musik gehört oder selbst musiziert?

Studnitzky: Nein, noch nicht!Meine Tagesabläufe sind ganz unterschiedlich: Ich mag es, morgens Klavier zu spielen. Aber heute habe ich meinen kleinen Sohn zur Schule gebracht. Oft bin ich aber auch auf Tour und wache in einem Hotel auf.

Ist es überhaupt gut, morgens Musik zu hören? Beeinflusst das nicht die eigene kompositorische Arbeit?

Ich höre eigentlich gar keine Musik zu Hause – höchsten klassische Musik wie Johann Sebastian Bach. Ich habe so viel Musik in meinem Leben, ich mag gerne die Stille.

Wie und wann entstand bei Ihnen der Wunsch selber Musik zu schaffen?

Ich komme aus einer musikalischen Familie und machte bereits sehr früh Musik. Im Alter von 15/16 Jahren habe ich angefangen, Jazz zu spielen. Und ab dann war es klar, selber Musik zu schaffen.

Sie haben mit dem Klavier begonnen und dann zur Trompete gewechselt. Wie kam es zum Wechsel?

Ich habe erst klassisches Klavier gespielt und studierte dann Trompete. Bei mir gab es die Wahl zwischen klassischem Klavier und Jazztrompete: Da habe ich mich für die Trompete entscheiden. Später kam das Klavier wieder dazu. Heute spiele ich beides.

Gibt es Schwankungen welches Ihr Lieblingsinstrument ist?

Ja, klar! Beide Instrumente haben Vor- und Nachteile. Es gibt sogar Songs, da lasse ich es offen, ob ich sie mit dem Klavier oder der Trompete spiele. Vom Klavier aus kann ich allerdings die Band harmonisch besser lenken. Mit meinem Trio bin ich durch beide Instrumente klanglich flexibel: Ein klavierloses Trio hat einen ganz anderen Sound als ein Klaviertrio oder ein Quartett mit Gitarre.

Sie kommen mit ihrem Quartett nach Göttingen. Dies hat sich personell verändert. Wie hat es sich stilistisch entwickelt?

Ja, das jetzige Quartett ist relativ neu. Der Gitarrist und der Schlagzeuger sind recht jung. Ich habe beide in Dresden kennen gelernt, wo ich an der Musikhochschule unterrichte. Beide Musiker haben gerade ihr Studium absolviert.  Sie kommen aus der elektronischen Musik – das trifft sich ganz gut mit meinen Songs.

Auf ihren CDs sind oft Streicher zu hören. Haben Sie eine Affinität zu Streichern?

Ich komme aus einem klassischen Elternhaus und es war für mich interessant selber etwas mit Streichern zu machen. Ich habe früher oft für Streicher arrangiert bei Pop- oder Jazzproduktionen. Neben meinem Trio bzw. Quartett liegt mir mein Streicherprojekt mit Orchester besonders am Herzen.

Was ist das Besondere mit Streichern zu arbeiten?

Ich mag den Klang und es ist herausragend vor dem Orchester und in seiner eigenen Musik zu sitzen. Was mir noch gefällt: Wenn immer viele unterschiedliche Musiker spielen, hat man nie das gleiche Ergebnis. Es gibt immer kleine Unterschiede in der Dynamik und Klangfarbe. So klingt der gleiche Akkord jedes Mal etwas anders.

Mit Streichern kann man doch auch so tolle Harmonien schaffen.

Klar. Akkorde, die auf dem Piano banal klingen, bekommen durch Streicher eine ganz neue Tiefe. Ich arrangiere gerne und mag die Details. Gerade arbeite ich an einer Platte, die nur mit Orchester gespielt wird.

Hat nicht auch ihr Trompetenton eine gewisse Streicherqualität – etwas sehr Atmosphärisches?

Ich versuche auf der Trompete mit wenigen Tönen und dem Sound die Stimmung klar zu machen.

Stichwort ‚Wenige Töne’: Sie bekennen sich zu einfachen Melodien. Warum?

Bei Johann Sebastian Bach gefällt mir sehr gut, dass er mit wenigen Tönen alles auf den Punkt bringt. Ich mag es, über komplizierte Harmonien Melodien zu finden, die schön klingen. Ich bin keiner der viele Töne braucht. Mir ist die Melodie wichtig.

Reagieren sie damit auf etwas, vielleicht auf unsere hektische Zeit?

Das muss jeder selber interpretieren. Meine Stücke sind relativ überschaubar und emotional und haben ein wiedererkennbares Thema. Dadurch ist es für das Publikum nachvollziehbar was wir machen. Trotzdem spielen wir in großen Teilen eines Konzerts sehr frei. Das klingt aber nicht nach Freejazz, weil wir jederzeit in unsere Songs zurückkommen.

Ihre Soloprojekte sind introvertiert. Bei Jazzanova und der Funkunit spielten Sie extrovertierter. Können Sie so unterschiedliche Seiten Ihrer Persönlichkeit ausleben?

Das Introvertierte und Melancholische ist mehr mein Naturell. Und deshalb konzentriere ich mich ganz auf meine eigenen Sachen und bin bei Jazzanova, der Funkunit und Mezzoforte ausgestiegen.

Gibt es ein Leben jenseits der Musik? Haben Sie Hobbies?

Ja, mein Sohn und die Zeit mit ihm! Zudem schwimme ich gerne lang und fahre gerne lange Radtouren.

Interview:  Udo Hinz

39. Göttinger Jazzfestival

Das Sebastian Studnitzky Quartett mit Laurenz Karsten (Gitarre), Paul Kleber (Bass) und Tim Sarhan (Schlagzeug) gastiert am Mittwoch, 9. November, beim Göttinger Jazzfestival. Dieses Konzert beginnt um 20 Uhr im Alten Rathaus. Zum 39. Göttinger Jazzfestival kommen vom 4. bis 13. November viele spielfreudige Jazzmusiker. Neben bekannten Bands haben auch lokale Formationen Gelegenheit, ihr Können im Deutschen Theater zu präsentieren. Ein Rahmenprogramm ergänzt das Festival-Wochenende. Tages- oder Festivalkarten gibt es im Vorverkauf unter anderem beim Deutschen Theater, Theaterplatz 11, theaterkasse@dt-goettingen.de, und in der Geschäftstelle des Tageblattes, Weender Straße 44. www.jazzfestival-goettingen.de

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