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Seebär ohne Bratwurstzange: „Rummelsnuff“ im Theaterkeller Göttingen

Konzert Seebär ohne Bratwurstzange: „Rummelsnuff“ im Theaterkeller Göttingen

Schwarze Stiefel, schwarze Militärhose, schwarzes Hemd – einer der ersten Besucher des Rummelsnuff-Konzertes im Theaterkeller lässt sein Outfit für sich sprechen: Hier geht es um Musik für echte Kerle, kalt und hart und geradeaus. Dann greift der junge Mann in die Seitentasche seiner Hose und zieht einen Lippenpflegestift hervor.

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Kernig: Roger Baptist.

Quelle: EF

Göttingen. Der Konzertbesucher passt wunderbar zu dem, was er in den kommenden eineinhalb Stunden zu hören und zu sehen bekommt. Es geht um Muskeln, Männer und Maschinen. Und es geht um butterweiche Chansons. Roger Baptist, Kopf und Körper von Rummelsnuff, hat sich Unterstützung mitgebracht.

Lupenreiner Tenor dazu

Neben einem Koffer voll Kopf­bedeckungen und einem Laptop voll zahlreicher Playbacks ist Christian Asbach beim Käpt’n an Bord. Während der 46-jährige Muskelprotz Baptist, gern mit Hut und ohne Hemd, den raubeinigen Seebären gibt, trällert Schiffsjunge Asbach den beinahe lupenreinen Tenor dazu. Dem Weichei in der Rollenverteilung gehört der erste große Applaus des Abends: Am historischen Ort des legendären Barbara-Konzertes liefert er eine beeindruckende Hommage an die Chansonnière ab. Er singt „Göttingen“. Zart, zerbrechlich, sauber und klar. Und ein bisschen ironisch.

Wenn der Käpt’n die Fahnen hisst

Je später der Abend, desto stärker die Männer. Mehr und mehr rückt die harte Rummelsnuff-Seite ins Zentrum. Zu kalten „Electronic Body Music“-Sounds mit monotonen Bässen gibt es eine Reihe minimalistischer Melodien, ein wenig Neue Deutsche Welle und etwas Elektropunk. Doch um die Instrumentierung geht es eigentlich ohnehin nicht, wenn der Käpt’n die Fahnen hisst.

Härtesten Hunde Thüringens

Mehr als treibenden Bass braucht er nicht für seine Huldigung der Männlichkeit: Matrosen, Schrauber, Heizer und Türsteher sind die Helden in den Texten des 46-Jährigen, der selbst schon am Einlass von Diskotheken gewacht hat. Doch die heimlichen Helden des Abends sind nicht die Vertreter einer Berufsgruppe. Sie sind die härtesten Hunde Thüringens und werden in der – passenderweise am Vatertag veröffentlichten – Single von Rummelsnuff besungen. „Wir drehen die Wurst genügend lange, wir brauchen keine Bratwurstzange. Männer hier im Thüringer Land wenden scheulos mit der Hand.“

Das alles  ist sicher keine hohe Kultur. Aber ein großer Spaß in der Tradition von Deutsch Amerikanische Freundschaft oder Devo, deren „Mongoloid“ Rummelsnuff covert. Das findet auch das Publikum und fordert wacker Zugaben. Die Antwort ist unter anderem eine schunkelträchtige Version von „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Und das Publikum will wieder mehr. Doch einmal muss auch ein Käpt‘n in die Koje. Und auch seine Fans (Baptist: „Morgen ist doch ein Arbeitstag“).

Zuvor empfiehlt er aber noch einen Gang an die Theke („Mädchen und Buben, ihr müsst auch Flüssigkeit zu Euch nehmen“). Dann ist Schluss, aber echte Männer weinen nicht. Sie bedanken sich hemmungslos: „Danke, Publikum, danke, danke, danke.“

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