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Seghers und Oppermann diskutieren über Fall Ypsilanti und „Sterntaler-Verschwörung“

„Die können nur bezahlt worden sein“ Seghers und Oppermann diskutieren über Fall Ypsilanti und „Sterntaler-Verschwörung“

Seinen Krimi „Die Sterntaler-Verschwörung“, der in der hessischen Landespolitik angesiedelt ist, hat Jan Seghers am Freitag im Alten Rathaus Göttingen vorgestellt. Über Fiktion und realen Politikbetrieb sprachen Seghers und Thomas Oppermann, Göttinger SPD-Bundestagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag.

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Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Eine schöne Idee, zur Vorstellung eines „Politkrimis“ auch einen Politiker einzuladen. Warum er denn angenommen habe, fragt die Göttinger Literaturwissenschaftlerin Anke Detken, Moderatorin des vom Literarischen Zentrum organisierten Abends. Es habe ihn neugierig gemacht und er mochte das Buch, „bei dem man sich die Geschichte um die Wahl von Andrea Ypsilanti dazu denken könnte“, so Oppermann.

 

Seghers heißt eigentlich Matthias Altenburg und ist Journalist und Autor. Nur für seine Krimis hat er das Pseudonym Jan Seghers gewählt. Seinen Kommissar Marthaler lässt er in „Die Sterntaler-Verschwörung“ zum fünften Mal ermitteln. Dieser Fall spielt im Jahr 2008. Die Landtagswahlen in Hessen enden mit einem Patt. Der Ausbau des Frankfurter Flughafens steht auf dem Spiel – eines der größten Bauprojekte der Nachkriegszeit. „Wo es um soviel Geld geht, ist das Verbrechen nicht weit“, sagt Seghers. Marthaler entdeckt nicht nur die Leiche einer bekannten Journalistin, sondern auch dass diese einer Verschwörung auf der Spur war.

 

2008 hatte die CDU die Landtagswahlen krachend verloren, die SPD mit ihrer Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti gewonnen. Trotzdem gab es einen Patt. Ypsilanti wollte sich wählen lassen und von der Fraktion der Linken tolerieren lassen – entgegen ihren Beteuerungen vor der Wahl. Einen Tag vor der entscheidenden Abstimmung erklärten vier SPD-Abgeordnete, dass sie nicht für Ypsilanti stimmen werden. Drei davon hatten ihr Gewissen erst einen Tag vorher entdeckt. Da könne man schon mal auf den Gedanken kommen, die können nur bezahlt worden sein, so Seghers.

 

Handfeste wirtschaftliche Interessen haben in dieser Konstelllation in Hessen sicher eine Rolle gespielt, so Oppermann. Das allerdings ein Unternehmen, wie im Buch angedeutet, die Politik bestimmen könne, das sei in Deutschland nicht denkbar. Er glaube auch nicht, dass die vier gekauft worden waren. „So etwas gegen Geld zu tun, die politische Identität zu verkaufen“, das setze eine ziemliche Abgebrühtheit voraus, so der SPD-Politiker. Allerdings, sagt Seghers, hatten die vier vorher in jeder Probeabstimmung für Ypsilanti gestimmt.

 

Trotzdem gibt sich Seghers an diesem Abend seltsam dezent. Auch Moderatorin Detken sagt: „Ich habe sie mir viel politischer vorgestellt“. Er sei sich gar nicht sicher, dass sein Buch ein politischer Krimi ist. Eigentlich wollte er einen klassischen Krimi schreiben und so eine politische Geschichte sei ein tolle Grundlage. Oppermann, der bei mehr Herausforderung sicher Spannenderes zu erzählen gehabt hätte, lobt dann auch noch, dass das Buch nicht auf billigen Verschwörungstheorien beruht. Und dann lassen sich aus der schönen Idee des Aufeinandertreffen von Autor und Politiker keine Funken mehr schlagen.

 

Auch wenn die Begegnung ein bisschen vertan war: Der Krimi ist ein gut geschriebenes, spannendes Buch.

 

Jan Seghers, Die Sterntaler-Verschwörung. Kindler, 496 Seiten, 19,95 Euro.

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