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Sehr dicht an Spitzenstrümpfen und Männershorts

„Happy“ im ThOP Sehr dicht an Spitzenstrümpfen und Männershorts

Drei befreundete Paare, drei unterschiedliche Beziehungsstadien: Felix (Ulrich Gohlke) und Emilia (Maike Linne) haben sich vor Monaten getrennt, doch die Sache ist noch nicht ausgestanden. Charlotte (Jella Böhm) und Dylan (Richard Varela) leben in Saus und Braus, aber glücklich sind sie nicht. Anette (Karin Reilly)und Boris (Adrian Haack) dagegen sind glücklich, wissen aber nicht so genau, warum – zumindest Boris nicht.

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Noch fröhlich: Dylan (R. Varela), Charlotte (J. Böhm), Felix (U. Gohlke) und Anette (Karin Reilly) (von links).

Quelle: Opitz

Alle sechs treffen sich zu einem Abendessen, die Stimmung ist angespannt. Ein Spiel schließlich gibt dem Abend eine Wendung – es versaut ihn gründlich. Doris Dörrie hat diesen Roman geschrieben, im Theater im OP (ThOP) in Göttingen hatte die Theaterfassung jetzt Premiere. Regie haben Marie Varela und Tobias Wojcik geführt.

Emilia erzählt beim Essen von einer Studie, nach der auch glückliche Verliebte sich mit verbundenen Augen und gleich duftend nicht erkennen – selbst wenn sie nackt sind und sich befühlen dürfen. Das erregt Widerspruch bei der Tischgesellschaft und endet in einer Wette. Zwei der Paare entkleiden und betasten sich, und weil Felix ein wenig manipuliert, bricht emotionales Chaos aus.

Die Inszenierung wird in der Notaufnahme im ThOP gespielt, das heißt, die Zuschauer sitzen dicht am Geschehen, einige sehr dicht an neckischer Unterwäsche, Spitzenstrümpfen, strammen Männershorts und viel nackter Haut. Das erfordert von den Schauspielern eine Menge Mut zum Entblößen, von den Besuchern aber auch eine ordentliche Portion Voyeurismus. Sonst hilft nur wegschauen. Und das wäre schade, denn Varela und Wojcik haben diesen Reigen stringent in Szene gesetzt. Und wenn sie den respektabel agierenden Laien­schauspielern noch unangemessene Zickigkeit, wo eher Widerspruchsgeist und Größe angemessen wären, und hier und da leicht nerviges Keifen abgewöhnt hätten, wäre der Abend noch runder verlaufen. Wer fremde Haut mag, hat an den knapp 90 Theaterminuten und dem pointenreichen Text von Dörrie seinen Spaß.

Weitere Vorstellungen sind am heutigen Donnerstag, am 24., 25. und 26. September um 20.15 Uhr in der Notaufnahme des Theaters im OP, Käte-Hamburger-Weg 3 in Göttingen. Karten gibt es unter der Telefonnummer 05    51   /   39    70    77.

Von Peter Krüger-Lenz

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