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Sehr kultiviert: Helsinki Baroque Orchestra

Händel-Festspiele Sehr kultiviert: Helsinki Baroque Orchestra

Das erste Händel-Festspiel-Wochenende in Göttingen war prall gefüllt mit Konzerten, Open-Air-Veranstaltungen und Lesungen: ein verheißungsvoller Auftakt für die kommenden Tage. Bis Mittwoch, 3. Juni, stehen insgesamt 96 Veranstaltungen auf dem Programm.

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Streicher mit zwei Cembali: Helsinki Baroque Orchestra in der Aula der Universität. Schäfer

Die historische Aufführungspraxis, bis vor drei Jahrzehnten nur in wenigen musikalischen Zentren gepflegt, ist heute weltweit verbreitet. Ein Beispiel aus dem nördlichen Europa ist das Helsinki Baroque Orchestra, das – erstmals bei den Göttinger Händel-Festspielen – am Sonnabend, 23. Mai, in der Aula der Universität gastierte.

Mit zwei Violinen, je einer Viola, einem Violoncello, einem Kontrabass und Cembalo ist die Besetzung für ihr Göttinger Gastspiel – ein Foto des Ensembles zeigt zwölf vermummte Gestalten auf einem Schneefeld – eher kammermusikalisch. Doch für die beiden Bachschen Konzerte mit zwei Cembali, die das Zentrum des Programms bildeten, ist diese Transparenz ideal. 

Anonym überliefert

Ihre musikalische Visitenkarte lieferten die finnischen Gäste mit einer anonym überlieferten Paduane ab: sehr spannungsreich musiziert, rhythmisch prägnant, mit einer leichtgewichtigen, zugleichen deutlich akzentuierten Tongebung in den Streichern. Händels Sonate HWV 399, eine bunte Folge von Sätzen aus den Bühnenwerken „Alcina“, „Radamisto“ und „Terpsicore“ sowie dem Oratorium „Athalia“, wurde unter dem präzis-ausdrucksvollen Zugriff der Musiker zu einer sehr farbigen, kultivierten barocken Unterhaltung. Das gilt ebenso für die Symphonie e-Moll von Johan Helmich Roman, dem schwedischen Zeit- und Stilgenossen Händels.

Dies alles bildete den Hintergrund, auf dem die beiden virtuosen Konzerte für zwei Cembali C-Dur und c-Moll von Johann Sebastian Bach um so heller leuchteten. Das Zusammenspiel von Aapo Häkkinen, dem Leiter des Helsinki Baroque Orchestra, mit seinem französischen Kollegen Pierre Hantaï, war sehr präzise. Der musikalische Dialog beider Instrumentalisten funktionierte hervorragend, stets herrschte Einigkeit  – bis auf wenige Momente, in denen Häkkinen in unziemlicher Eile seinem Partner davonzulaufen drohte, was Hantaï aber bewundernswert souverän wieder ins Lot brachte. Eingeleitet wurden die beiden Bach-Konzerte von zauberhaften Cembalo-Duetten des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel: einer sehr galanten, spielerischen Musik, geradezu raffiniert in der Verzahnung der beiden Duopartner.

Lebhaft war der Applaus – und ausdauernd. Erst nach einer Zugabe, dem wiederholten Finale des c-Moll-Konzerts, gab sich das Publikum in der voll besetzten Universitätsaula zufrieden. 

Von Michael Schäfer

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