Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Sie können pfeifen und die Jackson Five geben

„Vocaldente“ und Göttinger Knabenchor Sie können pfeifen und die Jackson Five geben

Am Mittwoch zeigten smarte Anzug­typen, dass A cappella auch unter freiem Himmel klingt. Mehr als 800 Gäste kamen auf den Burghof der Katlenburg, um die großen Knaben von Vocaldente und zuvor die kleinen vom Göttinger Knabenchor in herrlicher Abendstimmung zu erleben.

Voriger Artikel
Internationale Stars und die neue deutsche Elite
Nächster Artikel
Rock, Funk, Soul: 500 Besucher im Wald

Anzugtypen, die singen können: Christoph Grasser, Jakob Buch, Johannes Gruber, Tobias Kiel und Tobias Pasternack (von links).

Quelle: Bulla

Katlenburg. Und auch die Haus- und Hofkatze stolzierte vor die Bühne: zeigte sich mal ohne und mal mit Maus im Fang. Die Vocaldentes können nicht nur pfeifen, was sie im Couplet „Kannst du pfeifen, Johanna?“ aus den 1930er-Jahren unter Beweis stellten, sondern meinen, auch tanzen zu können. Aber in der ersten A-cappella-Liga sind sie, weil sie mit viel ding, dum, deng, damm, digge oder dschin – vor allem von Bass Tobias Pasternack – überzeugen.

Sie mischen die Liederfolge mit bekannten oder originellen Songs so, dass möglichst für jede Altersgruppe im Publikum was dabei ist. Und wenn sie Cole Porters „Let’s Misbehave“ oder Totos „Rosanna“ singen, macht es Spaß, sie zu hören und zu sehen. Die Stimmen kommen im Abendwind klar rüber, die Frisuren und Anzüge sitzen. Wenn sie als Jackson Five dastehen und ihr „Michael Jackson-Medley“ 13 Minuten gesanglich perfekt neu gestylt darbieten, fehlt nur noch ein  astreiner Moon-Walk von der  in Hannover ansässigen Gruppe. Hätte sie Bariton Johannes Gruber nicht als „bestes Tanzensemble Deutschlands“ ausgegeben, wäre dieser  Mangel aber nicht erwähnenswert.

Die Aufgaben gut verteilt, die Stimmlagen bestens im Griff

Singen können sie. Rocken „Footloose“, bringen auch ohne Cowboyhut John Denvers „Thank God I‘m a Country Boy“ rüber und überraschen mit dem längst vergessenen Hit „Does your Chewinggum lose it’s flavor on the bedpost over night“. Die Aufgaben gut verteilt, die Stimmlagen bestens im Griff zeigen die Tenöre Jakob Buch und Tobias Kiel sich als Gegengewicht zum starken Bariton Johannes Gruber. Bass Tobias Pasternack gibt sich larmoyant und ist ein gewaltig guter rhythmischer Instrumentenimitator. Auf alle die kann sich Countertenor Christoph Grasse verlassen und setzt gerne stimmlich noch einen drauf. Grasse und Pasternack sind übrigens verheiratet. Beide noch nicht so lange. Pasternack, der auch mal in Göttingen lebte,  hat 2011 auf Burg Katlenburg geheiratet. Dabei erhielt Torsten Runge, der Chef vom Burgberg, das Angebot von Vocaldente, mal die Katlenburg zu rocken. Gut, dass er es angenommen hat.

Auf dem Anwesen verbringt  der Göttinger Knabenchor oft  Probenwochen. Mittwoch bekam er die Gelegenheit, als Vorgruppe aufzutreten. Eineinhalb Tage hatten die Sänger fürs Einstudieren. Leicht nervös war mancher der Jungen, als rührend das „Can you hear me“ von Bob Chilcott gesungen wurde. Und geradezu zart lies der Chor  das Lied „Engel“ der für ihren harten Rock bekannten Gruppe Ramstein erklingen. Mit dem Feuervarieté von „Cedrus Inflamnia“ endete der Abend: Zwei Akrobaten erhellten mit ihre feurigen Nummern den Burghof.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag