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Silvesterkonzert mit Zitterbart im Clavier-Salon

Wahrhaft königliches Bimbam Silvesterkonzert mit Zitterbart im Clavier-Salon

„Lauter Unsinn“ hat der Göttinger Pianist Gerrit Zitterbart sein Konzert am vorletzten Abend des Jahres im Clavier-Salon genannt. Den zahlreichen Zuhörern bereitete er als „Silvesterclown“ (O-Ton Zitterbart) ein musikalisches Vergnügen zum Schmunzeln.

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Quelle: SPF

Göttingen.  Dem Ernst des Abends entsprechend betrat der Solist in Frack und Zylinder den Saal und eröffnete den Piècen-Reigen mit Bachs C-Dur-Präludium. Dem folgte das meisterliche Arrangement dieses Stückes in Gestalt von Charles Gounods „Ave Maria“ – in angemessen gefühlstrunkener Interpretation. Nicht minder meisterlich und bis in die filigransten Zweiunddreißigstel-Verästelungen hinein virtuos war Zitterbarts Vortrag des musikalischen Juwels von Paul de Senneville, dessen Schöpfer sich gern im Schatten seines berühmtesten Interpreten Richard Clayderman verbirgt.

Eine solche „Ballade pour Adeline“ hört man nicht alle Tage. Musikwissenschaftlich aufschlussreich waren Zitterbarts Erläuterungen zu Mozarts fein dahingewischtem Klavierstück „Das Butterbrot“, anrührend die hingebungsvoll fromme Darstellung von Badarzewskas „Gebet einer Jungfrau“. Seiner durchdachten Vorab-Analyse („Ein Gebet ist, wenn man immer etwas wiederholt“) verhalf er mit seinem luziden Spiel zu stillem Leuchten.

Zu erwähnen bleibt noch Dudley Moores Colonel-Bogey-Marsch in einer bestechend beetho­venesken Färbung, der bemerkenswerterweise nicht im Dreiertakt stehenden Walzer von F. Loh, der nur durch einen Lesefehler mit dem Spottnamen „Flohwalzer“ bedacht wurde – und vor allem die parodistischen Zyklen über „Ach du lieber Augustin“ von Manfred Gurlitt und last but not least über „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans?“ von Karl Hermann Pillney.

Das war pianistisch schwere Kost, mitzuerleben beispielsweise an des Solisten sorgenvoll zerfurchtem Mienenspiel angesichts der herben Regerschen Chromatik. Hingerissen klatschten die Zuhörer und bekamen zum Dank noch etwas Stille von Cage und „Die Abendglocken“ von Georg V. von Hannover: ein wahrhaft königliches Bimbam.

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