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Simon & Jan mit ihrem Programm „Ach Mensch“ im Göttinger Apex

Musikkabarett Simon & Jan mit ihrem Programm „Ach Mensch“ im Göttinger Apex

Was dabei herauskommen kann, wenn sich zwei Musiker in der ersten Uni-Woche kennenlernen, einen Seminarraum nicht finden und stattdessen Kaffeetrinken gehen, konnte das Publikum am Sonnabend im ausverkauften Göttinger Apex erleben.

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Wunderschöner Harmoniegesang, perfekt abgestimmtes Gitarrenspiel: Simon Eickhoff (li.) und Jan Traphan.

Quelle: Heller

Göttingen. „Wir haben auf Lehramt studiert, so jetzt ist es raus“, stellte das senkrechtgestartete Musikkabarett-Duo Simon & Jan selbstironisch klar, um sich dann in seinem Programm „Ach Mensch“ eingehend den Abgründen der Spezies zu widmen.
Zuerst schicken die Oldenburger noch einen Überraschungsgast auf die Bühne: Philipp Kassburg vom Liedermacher-Duo „Spieltrieb“.

Fast aus dem Stand bringt er die Zuschauer mit seinen Liedern und kleinen Geschichten auf Betriebstemperatur. Mit dem Liebeslied „Kirschkuchen“ samt Einführung in Reggae-Grundkenntnisse, Beziehungsproblemen im County-Sound und vor allem einem Elvis-Klassiker, der als „In the Netto“ das wahre Leben in einem Supermarkt aufzeigt, stimmt er mit leicht crispiger Stimme und seinen Gitarrenkünsten bestens auf Simon & Jan ein.

Das beiden Liedermacher, Prix-Pantheon-Gewinner des Jahres 2014 und mit dem Jurypreis St. Ingberter Pfanne 2013 ausgezeichnet, starten mit einem Lied über ein „kotzendes Karnickel“ und legen fest, wohin die Reise  geht. In ihrem Programm prallen zarte Melodien auf bitterböse Texte und die Grausamkeiten der Welt. Ein Kontrast, der die Absurditäten menschlichen Treibens herrlich pointiert.

Jan Traphan übernimmt verschmitzt und humorig die Conférence, während Simon Eickhoff zurückhaltend den ruhigen Part besetzt. Ergänzend setzt er musikalische Effekte wie Perkussion-Sequenzen, Beatboxing und Aufnahmen in Live-Loop-Technik oder indem er im Jimi-Hendrix-Stil, die Gitarre auf seinem Kopf haltend, spielt.

Wunderschöne Harmoniegesang

Traphan und Eickhoff erweisen sich als ebenso gute Texter wie Musiker. Die Themen sind aus dem Alltag gegriffen und reichen von Käuflichkeit und Facebook-Sucht über subtiles Promi-Bashing und Volksmusikantentum bis zu weiblichen Reizen und Opportunismus. Zuhören ist angesagt. Die Liedermacher schießen ein wahres Pointen-Feuerwerk. Spritzig, klug, frech am Puls der Zeit.

Der wunderschöne Harmoniegesang verschmilzt mit technisch perfekt aufeinander abgestimmtem Gitarrenspiel. Mal folkig, sphärisch oder im Schunkeltakt, mal klassisch, träumerisch oder dramatisch. Die feinen Arrangements sind so vielfältig wie bestechend. Die zynischen Balladen gehen glasklar ins Ohr. Der Sound ist brillant von Apex-Techniker Andreas Thamm gemischt.

Ovationen im Stehen, Zugabe um Zugabe und ein fast dreistündiges Konzert, riesiger Andrang am CD-Verkaufstisch: Musikern und Publikum hat der Abend offensichtlich gleich viel Spaß gemacht. Das Liedermacher-Duo und ihr Gast haben sich vermutlich zahlreiche neue Fans erspielt. Unbedingt wiederkommen.

Von Karola Hoffmann

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