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Skandale von gestern mit Musik

Eva Mattes beim Innenhof-Theater-Festival Skandale von gestern mit Musik

Die Schauspielerin Eva Mattes hat vieles erreicht, wahrscheinlich mehr als die meisten ihrer Kollegen. Man könnte zum Beweis dieser These nun ihre prestigeträchtigsten Filmengagements und ihre skandalösesten Theaterproduktionen nennen, aber vielleicht reicht es einfach zu sagen, dass sie bereits in jungen Jahren in Senta Bergers Badewanne gelegen hat.

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Eva Mattes

Quelle: Heller

Göttingen. Wie es dazu kam, erzählte sie während der Lesung ihrer Autobiographie „Wir können nicht alle wie Berta sein“, mit der sie am Sonntag, dem Schlusstag, beim 16. Göttinger Innenhof-Theater-Festival gastierte. Um genau zu sein, hat Senta Berger ihr sogar einen Grog gereicht, als sie klatschnass vom Dreh zu Michael Verhoevens „o.k.“ in das Haus des Regisseurs gebracht wurde. Dass ihr schon so früh die mitfühlende Aufmerksamkeit der bekanntesten Filmgrößen zuteil wurde, war kein Zufall: Als Synchronsprecherin für Pippi Langstrumpf oder der Lassie-Hauptfigur Timmy stellte sich schon früh ein Maß an Erfolg ein, das sich rückblickend betrachtet wie ein roter Faden durch ihre Biographie zu ziehen scheint.

Sie arbeitete mit Regisseuren wie Peter Zadek, Rainer Werner Fassbinder und Werner Herzog, war durch ihre Rolle in „o.k.“ mitverantwortlich für das eklatante Platzen der Berlinale 1970 und ließ sich halbnackt an der Seite Ulrich Wildgrubers während Zadeks legendärem „Othello“ 40 Minuten vom Publikum bejohlen. Auch wenn sich die letzten beiden Begebenheiten nicht unbedingt positiv lesen, waren sie doch wichtige Schlüsselmomente für die deutsche Film- und Theaterlandschaft .

Nun mögen die genannten Vorkommnisse jüngeren Generationen nicht unbedingt bekannt sein, zumal der Skandal von gestern meist das Normale von heute ist. Macht aber nichts, denn Mattes war sich mit sicherem Gespür für gute Engagements nicht zu schade, die Rolle Klara Blums im Tatort Konstanz zu übernehmen und ist damit auch jüngeren Nicht-Cineasten oder Theatermuffeln noch heute ein Begriff.

Vor dieser umfassenden Leistung muss man einfach Respekt haben, umso sympathischer wirkt Mattes’ unprätentiöse und herzliche Art, in der sie es irgendwie schafft, ohne eine Spur von Selbstverliebtheit von all ihren Erfolgen zu erzählen. Begleitet wurde sie dabei von Irmgard Schleier am Flügel, mit der sie zwischendurch Chansons und Lieder von Marlene Dietrich oder Hans Albers zum besten gab. Man bräuchte es wahrscheinlich nicht mal gesondert zu erwähnen, aber singen kann Mattes auch ganz hervorragend.

Von Jonas Rohde

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