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Slampoet Sebastian 23 zu Besuch im Literarischen Zentrum

„Das wird superprall“ Slampoet Sebastian 23 zu Besuch im Literarischen Zentrum

Als Schwabe hat man’s nicht leicht. Da sieht man das Geld nicht nur in unterirdischen Bahnhöfen versickern, sondern auch bundesweit im Berliner Flughafen oder der Philharmonie in Hamburg.

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Hat viel Spaß auf der Bühne: Sebastian 23.

Quelle: Vetter

Göttingen. „Superprall“ heißt das Gedicht, das der Slampoet Sebastian 23 über solch einen genervten Schwaben geschrieben hat. „Und alle so: Yeah! Und keiner so: Buh!“, wiederholt er mehrmals im Text, „denn zuerst hieß es: Das wird nicht teuer. Ihr werdet schon sehen, das wird superprall und geht gar nicht zu Lasten der Steuer.“

Sebastian 23 ist zu Gast im Literarischen Zentrum und trägt seine Texte vor. Viele im Publikum sind Schüler oder Lehrer, was auch damit zu tun hat, dass ein Text des Poeten seit einigen Jahren im Deutschunterricht behandelt wird. Dabei hat Sebastian 23 auch sein Buch, „Theorie und Taxis: Auswege aus der Philosophie“, das im Frühjahr diesen Jahres bei Carlsen erschienen ist. Der Abend wird moderiert von Christopher Krauß, der in als Organisator und Moderator von Göttinger Poetry-Slams bekannt ist.

„Am Anfang war da der Gedanke, dass da einem überhaupt jemand zuhört“, antwortet Sebastian 23 auf die Frage, warum er 2002 mit dem Slammen begonnen hat. „Wenn man als junger Autor Texte verfasst, dann kann man sie höchstens seinen Freunden und der Familie zeigen“, sagt der 35-Jährige. Auf Slam-Bühnen sei das anders. Hier könne jeder seine Texte präsentieren.

Nicht nur Klamauk

Sebastian 23 trägt mehrere seiner Gedichte vor und nimmt dabei auch Wünsche aus dem Publikum entgegen: „Ich verstehe mich da als Dienstleister.“ So wird das Stück „Ärger die Monotonie“ gefordert. „Geh! Lauf los, und ruf doch mal bei der Deutschen Bahn an und sage, das du heute zu spät kommst!“, heißt es da.

Doch seine Texte sind nicht nur Klamauk. „Ich glaube, die Leute finden es schlimm, wenn es nur Comedy gibt“, erzählt Moderator Krauß von seinen Erfahrungen. Sebastian 23 sieht das ähnlich. Auf der Bühne zu stehen bedeute auch, das Privileg zu haben, seine eigene Meinung öffentlich kundzutun. So seien einige seiner Texte politisch. Viel auffälliger ist aber sein Hang zur Philosophie.

Sebastian 23 hat selbst Philosophie studiert. In seinem Buch, aus dem er das Kapitel „Woran erkenne ich Arbeit und wie umgehe ich sie unauffällig?“ vorliest, handelt von einem Philosophieabsolventen, der als Taxifahrer über die Runden kommen muss. Ein Klischee, das beim Publikum zu einigen Lachern führt. Am Ende hat er maßlos die 90-Minuten-Vorgabe überschritten, und bekommt dennoch viel Applaus. „Und alle so: Yeah!, und keiner so: Buh!“

Von Daniela Lottmann

Sebastian 23: Theorie und Taxis – Auswege aus der Philosophie, Carlsen, 160 Seiten, 9,99 Euro.
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