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Slampoetin Josefine Berkholz spricht über Poetryslam

„Krasse vielschichtige Universen“ Slampoetin Josefine Berkholz spricht über Poetryslam

Busfahren ist oft langweilig. Es sei denn, es gibt einen Poetry-Flashmob mit Josefine Berkholz. Nach Idee und  Planung von Gesa Husemann, der stellvertretenden Leiterin des Literarischen Zentrums, ist die Lyrikerin am Dienstag in Schulbussen der Region mitgefahren und hat ihre Gedichte vorgetragen.

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Poetry-Slam im Schulbus: Josefine Berkholz.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Am Abend zuvor sprach sie im Literarischen Zentrum über ihre Werke, über die Poetry-Slam-Szene sowie über die Abgrenzung von geschriebenen zu vorgetragenen Texten. Christopher Krauß – zusammen mit Felix Römer der Organisator von Göttinger Poetry Slams – moderierte den Abend.

Poetry Slam ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden, erklärt Krauß zu Beginn. Berkholz meint, sie sei eher zufällig in die Szene gerutscht. Seit sie 14 Jahre alt war, habe sie zwar schon Texte geschrieben, aber nicht genau gewusst, was Poetry Salm eigentlich sei. Selbst der Wikipedia-Artikel über den Wettstreit „ist abstrus“, sagt die 21-Jährige. Da sie dann aber bei ihren ersten Auftritten liebevoll Empfangen und „an die Hand genommen“ wurde, fiel der Einstieg leicht. Das sei auch ein Unterschied zu anderen künstlerischen Szenen: Die anderen Slammer sind „alles zwischen Kumpels, guten Freunden und großen Brüdern“, sagt Berkholz.

Slam Poetry habe sich zu einer eigenen Kunstform entwickelt. Bei der Bühnenpoesie, der „Stage-Poetry“, handle es sich im Vergleich zu „Page-Poetry“, also dem geschriebenen Text, „vielmehr um Kompositionswerke“, sagt Berkholz. Es müsse stärker auf Rhythmus, Lautstärke und Klang geachtet werden. Und die Texte dürfen auch nicht zu „engmaschig sein“, sagt die 21-Jährige, die auch Poetry-Slam-Workshops gibt. Bei der „Papierlyrik“ könnten „krasse vielschichtige Universen“ geschaffen werden. Auf der Bühne würde solche Texte nicht funktionieren, sagt die ausgezeichnete Poetry-Slammerin.

Und warum steht bei der Studentin des literarischen Schreibens oft die Lyrik im Mittelpunkt? „Gedichte haben mehr als Prosa die Chance sinnlich zu sein“. Die Textform ähnele einer „Geheimsprache“, sagt sie. Mit Lyrik sieht sich die 21-Jährige in der Lage, dieses Gefühl, „dieses komische Etwas zu greifen“, was eigentlich gar nicht zu greifen ist. Sie findet es spannend, was die Texte bei den Zuhörern auslösen, das sei nicht vorhersagbar. Ihre Gedichte handeln unter anderem von Rastlosigkeit, von Heimat, Zukunft und Vergangenheit – eigentlich vom Leben. „Meine Texte sind zwar aus mir, aber nicht über mich“, sagt Berkholz.

Von Friedrich Schmidt

Josefine Berkholz ist beim Poetry Slam am Sonntag, 29. März, ab 20 Uhr im Jungen Theater, Hospitalstraße 6, zu Gast.
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