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So tiefgründig wie gefällig: Lyrik a-cappella

„Wortart Ensemble“ So tiefgründig wie gefällig: Lyrik a-cappella

Der Göttinger Literaturherbst hat sich mutig selbst an seine Grenzen geführt, indem er Musik ins Programm nahm. Belohnt wurde das Publikum dafür mit einem außergewöhnlichen Konzert, das das „Wortart Ensemble“ am Sonntag im Deutschen Theater gab.

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Vertonen Lyrik: Lena Sundermeyer, Anne Munka, Hannah Fuchs, Lars Ziegler, Christoph Mangel (v.l.).

Quelle: PH

Die fünf Mitglieder der jungen A-cappella-Gruppe aus Dresden haben sich der Vertonung deutscher zeitgenössischer Lyrik verschrieben, was ihnen auf tiefgründige und gleichwohl äußerst gefällige Art und Weise gelingt. Die Lyrik ist vermutlich die der Musik nächstgelegene literarische Gattung, was vielleicht erklärt, warum die Arrangements des Ensembles so mühelos daherkommen. Bei Eva Strittmatters „Wind“ etwa möchte man fast glauben, dass der Text für die Musik geschrieben wurde, so gut fügen sich Melodie und Sprache ins luftige Metrum.

In Wirklichkeit aber ist das Klang-Ergebnis dem Umstand geschuldet, dass alle Sänger eine professionelle musikalische Ausbildung genossen haben und mitunter auch als Instrumentalisten aktiv sind. Bariton Lars Ziegler etwa zeichnet für die meisten Kompositionen verantwortlich, deren Arrangements am Klavier entstehen. Aber auch Hannah Fuchs, Lena Sundermeyer (beide Sopran), Anne Munka (Alt) und Christoph Mangel (Tenor) überzeugen als  Künstler, die den lyrischen Texten eigene Impulse zu geben vermögen.

Musikalisch zeigte sich das Quintett äußerst vielseitig, ohne beliebig zu wirken: Soul, Jazz und Pop dominierten, wurden aber mit kirchenmusikalischen Traditionslinien verwoben.

Doch damit nicht genug: In nur zwei Tagen erarbeitete sich das Dresdner Ensemble mit einer Gruppe aus elf Mädchen von verschiedenen Göttinger Schulen weitere Texte von Nora Gomringer, Felix Wetzel und Wolf Wondratschek. Man fragt sich, wie das gelingen konnte, aber die Teenager fügten sich tatsächlich musikalisch professionell in das Programm.

Neben dem musikalischen ist also auch noch ein didaktischer Erfolg zu verzeichnen. Das innovative Konzert war für Veranstalter, Publikum und Aufführende hoffentlich die Initialzündung für eine weitere Zusammenarbeit.

Von Jonas Rohde

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