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„Sommernachtstraum“ mit Rufus Beck in Herzberg

"Kultur im Kreis" „Sommernachtstraum“ mit Rufus Beck in Herzberg

Shakespeares „Sommernachtstraum“ als Einmanntheater – ist das möglich? Ja, tatsächlich. Rufus Beck präsentierte zur Eröffnung der Reihe „Kultur im Kreis“ die Komödie im Herzberger Welfenschloss: zwei fröhlich-freche Stunden, begleitet vom Pianistinnenduo Anna und Ines Walachowski.

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Schauspieler Rufus Beck macht aus dem Sommernachtstraum ein Einmanntheater.

Quelle: Schäfer

Herzberg. 17 Rollen umfasst Shakespeares Personenverzeichnis, die diversen Elfen und ihr Gefolge nicht eingerechnet. Und gleich in drei Welten spielt diese zauberhafte Komödie: Hier die vornehmen Damen und Herren der Athener Gesellschaft, dort die sechs biederen Handwerker, die ein Stück im Stück aufführen wollen, und obendrein die magische Welt der Elfen mit ihrem Königspaar Oberon und Titania, die ihr Spiel mit den Menschen treiben.

Rufus Beck – populär geworden als Stimme der Harry-Potter-Hörbücher – schlüpft nicht etwa in 17 Rollen mit je eigener Stimmfarbe. So geht’s nicht. Stattdessen erzählt er die Geschichte nach, lässt hier und da die Personen tatsächlich zu Wort kommen, nur selten (dann aber umso eindrucksvoller) im Shakespeare-Text. Den Wechsel der Schauplätze markiert er häufig mit dem Wort „Schnitt“, was die Einordnung der komplizierten Erzählstränge erleichtert.

Wenn er nacherzählt, wird er gern auch flapsig. Von Theseus sagt er: „Bei Frauen kommt er rein derbe auf die Dauer überhaupt nicht an“, Lysander charakterisiert er treffend mit „Blutdruck 70 zu 110, Puls 44, so ein Frauenversteher“. Demetrius ist ein „Grobmotoriker“, und Helena gibt er ein leicht dümmliches bayrisches Gepräge. Weitere Rufus-Beck-Weisheiten: „Typische Athener­hosen hängen unterm Arsch“ und „Wo Männergeschrei, da Zivilisation“.

Dieser ausgesprochen freie Umgang mit der Vorlage macht Becks Comedian-Fassung auf weite Strecken ziemlich lustig. Wobei er dort, wo er Shakespeares Elfen- und Puck-Texte verwendet, sehr wohl auch den poetischen Zauber des Originals heraufbeschwört. Die Mischung stimmt.

Großen Anteil an der atmosphärischen Dichte dieses Abends hat die Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, dargeboten von dem aus Polen stammenden Pianistinnenduo Anna und Ines Walachowski. Bei allem musikalischem Zauber wirkte ihr Spiel allerdings etwas weichgespült: So viel Pedal und so viel Rubato ergibt eine gewisse Verfärbung in Richtung Blümchenrosa.

Doch tat das dem unterhaltsamen Abend, bei dem nur gen Ende Rufus Becks Konzentration ein wenig nachließ, keinen Abbruch. Die Zuhörer im voll besetzten Rittersaal spendeten lautstark und ausdauernd Beifall.

Mit Folk und Country wird "Kultur im Kreis" am Freitag, 18. September, um 19 Uhr fortgesetzt. Die Bands Slow Horses, Con Aglio und The Bensons spielen auf der Burg Plesse in Eddigehausen.

Von Michael Schäfer

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