Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Sonderkonzert des Göttinger Symphonie-Orchesters

Brennend, leidenschaftlich Sonderkonzert des Göttinger Symphonie-Orchesters

Drei Raritäten standen auf dem Programm des Sonderkonzerts mit dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) am Donnerstag in der Stadthalle: Werke von Mendelssohn, Martin und Bloch. Alle drei haben etwas mit Religion und Kirche zu tun. Deshalb hieß das Motto des Abends „Glaubensfragen“.

Voriger Artikel
Witz und wienerischer Charme
Nächster Artikel
Begegnungen mit den Nachbarn

Engagiert: die Göttinger Symphoniker unter der Leitung von
Christoph-Mathias Mueller.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Das ist kein populäres Thema. So war der Saal auch nur gut zur Hälfte besetzt - das vordere Drittel wurde ohnehin vom Orchester benötigt, das bis weit hinein in den Zuschauerraum platziert war. Denn einen Großteil der Bühne nahmen die Choristen der Göttinger Stadtkantorei ein, die für Mendelssohns Vertonung des 114. Psalms und Blochs „Avodath Hakodesh“ engagiert waren.

Der mit rund 80 Sängerinnen und Sängern besetzte Chor war von seinem Leiter Bernd Eberhardt gründlich vorbereitet worden, was sich unter anderem an der Intonationssicherheit an den A-cappella-Stellen und der sorgfältigen Artikulation zeigte. Der Mendelssohn-Psalm ist ein Lobpreis, der Dank an Gott, der das Volk Israel aus Ägypten geführt hat. Den gestalteten die Vokalisten mit eindrucksvoller Stimmkraft im achtstimmigen Satz, das Orchester bot Klanggenuss mit munter fließenden Figuren und prächtigen Blechbläserklängen.

Als instrumentales Intermezzo hatte GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller, für den das Programm des Sonderkonzerts nach eigenem Bekunden „eine Herzensangelegenheit“ bedeutete, die Passacaille von Frank Martin ausgesucht, ursprünglich eine Orgelkomposition, die in der Orchesterfassung eine ganz besondere Farbigkeit besitzt und durch fein abgewogene, apart herbe Klänge überrascht. Mit großem Engagement zeichneten die GSO-Musiker die polyphonen Linien nach, wobei Mueller mit großer Sensibilität für Spannung und Zielstrebigkeit sorgte.

Mit „Avodath Hakodesh“ hat der schweizerisch-amerikanische Komponist Ernest Bloch (1880-1959) Anfang der 1930-er-Jahre einen jüdischen Sabbat-Gottesdienst komponiert. Blochs Musik merkt man stark ihre Verwurzelung in der europäischen Spätromantik und Frühmoderne an - insofern wirkt dieses selten zu hörende Werk nirgends fremd.

Die Musik klingt in der Tat, wie Bloch selbst sagt, „drängend“ und „brennend“. Mit großem Ausdrucksreichtum, durchsichtig und homogen sang die Stadtkantorei - in kleinen Aufgaben mehrfach solistisch hervortretend: Barbara Schäfer - ihren anspruchsvollen Part. Eine herausragende Rolle hat in diesem Werk der Baritonsolist in der Rolle des jüdischen Kantors. Die gestaltete der junge Sänger Samuel Hasselhorn mit eindrucksvollem Stimmvolumen, beherrschter Kraft und feinen dynamischen Abstufungen. Muellers leidenschaftliches Dirigat übertrug sich anspornend auf alle Mitwirkenden, die in ihrer Intensität nirgends nachließen. Am Ende lang anhaltender Beifall.

Nächstes GSO-Konzert: „Arabische Nächte“ am Freitag, 31. März, um 19.45 Uhr in der Stadthalle, Albaniplatz 2.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Michael Schäfer

Die Milchbar im Nörgelbuff