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Souverän mit viel Feingefühl interpretiert

Trompeter Ludwig Güttler Souverän mit viel Feingefühl interpretiert

Mit dem Ziel das vielfältige, aber in weiten Teilen immer noch unbekannte musikalische Erbe aus dem 17. und 18. Jahrhundert lebendig zu erhalten, konzertierte das Leipziger Bach-Collegium zusammen mit und unter der Leitung von Ludwig Güttler am Sonnabend in der ausverkauften Göttinger St.-Johannis-Kirche.

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Technisch brillant: der Trompetenvirtuose Ludwig Güttler und das Bach-Collegium.

Quelle: Heller

Mit dem Einzug eines neuen Lebensgefühls im 17. Jahrhundert ist auch in der Musik ein „stile nuovo“ zu verzeichnen, der sich in neuen Ablaufformen, Art der Melodik und in der Festlegung von Lautstärke und Spielweise äußert. Die Entwicklung des Solokonzerts ging außerdem aus diesen freiheitlichen und nach neuen Attraktionen suchenden Bestrebungen hervor. Die Anlage des abendlichen Konzertprogramms ließ diese Entwicklung mit ausgewählten Werken aus dem mitteleuropäischen Raum in ihren Grundzügen deutlich werden.

Mit einer Sonate des englischen Komponisten William Corbett eröffnete der Trompetenvirtuose Güttler zusammen mit dem gleichermaßen technisch brillanten Bach-Collegium den Abend. Es folgten Werke von Georg Philipp Telemann, Johann Christian Bach und ein Concerto eines anonymen Komponisten des frühen 18. Jahrhunderts für Corno da caccia, Oboe, Violine und Basso continuo. Fortgeführt wurde das stilistisch einheitliche Programm mit Gottfried Finger, Johann Joachim Quantz und einem weiteren Konzert des Italieners Tommaso Albinoni.

Die Interpretation ließ zwar eine historische Spielidee erkennbar werden, war jedoch für die Hörgewohnheit von heute angelegt. Auf modernen Instrumenten gelangen dynamische Schattierungen in den Echophantasien bei Corbett differenziert und die Artikulation in der Basso continuo Begleitung in Quantzs Vivace präzise. Besonders die wenigen langsamen Sätze, wie in dem Modérè bei Telemann, wurden souverän mit viel Feingefühl interpretiert. Darüber hinaus kamen immer wieder dynamisch durchartikulierte Momente wie in den Echophantasien zwischen Oboe und Trompete von Corbetts Sonate zum Ausdruck. Insbesondere im letzten Stück des Abends stellte das Ensemble seine unprätentiöse Meisterschaft unter Beweis. Trotz des halsbrecherischen Tempos in Albinonis Presto blieb Tongebung und Artikulation stets akkurat. Diese hohe Stilsicherheit, Einheitlichkeit und Eingespieltheit der Musiker machte den Abend zu einem perfekten Hörerlebnis, der mit Standing Ovation und Bravorufen belohnt wurde.

Von Rhea Maria Richter

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