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"Bademeister Schaluppke" im Göttinger Apex

Spaßbad-Comedy "Bademeister Schaluppke" im Göttinger Apex

Seit zehn Jahren steht Robbi Pawliks Kultfigur „Bademeister Schaluppke“ als Sozialarbeiter am Beckenrand der Gesellschaft. Mit seinen verbalen Arschbomben hat der Kölner Comedian jetzt für ein volles Haus und Lachsalven-Alarm im Göttinger Apex gesorgt.

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Stimmige Figur: Bademeister Schaluppke hat im Göttinger Apex für Lachsalven gesorgt.

Quelle: r

Göttingen. Kurze weiße Shorts, weiße Clogs, weißes Polo-Shirt und ein stattliches Bäuchlein über dem viel zu knappen Hosenbund. Der Mann ist einfach komplett schmerzfrei und der Anblick durchaus eine Herausforderung. Aber um seiner Figur des Bademeisters Rüdiger Schaluppke die nötige Authentizität, sprich Beckenrand-Credibility, zu verpassen, schont sich Comedian Pawlik nicht.

Schaluppke ist mit allen Wassern gewaschen. Verzogene Gören, meckernde Muttis mit SUV-Hausfrauen-Panzer, renitente Rentner, pöbelnde Multi-Kulti-Pubertiere mit wenig Bildung, aber um so größerem Selbstbewusstsein: Keiner macht dem King of Chlor was vor. Denn an seiner Wirkungsstätte im Freizeit- und Kombibad im „sozialen Brennpunktviertel“ Köln-Zollstock macht nur einer unter dem Zehner die Ansagen. Falls nötig, auch mit Megafon.

Schaluppke nimmt sich die Nickolles, Alpha-Kevins und Murats zur Brust. Aber wehe, Fascho-Opa Heinrich, der die Schwimmbahn eins okkupiert, zieht über die türkischen Jungs her, dann versteht der Bademeister keinen Spaß. „Alle Kölner gegen die Islamisierung des Abendlandes schwimmen heute auf der rrrechten Seite … mit brrrauner Badekappe. Ab 7.45 Uhr wird zurück geschwommen“, schallt es durch den gemischt-kulturellen Badetempel.

Pawliks Bademeister ist für Integration und ein tolerantes Miteinander, ein Durchschnittstyp und Antiheld mit Herz und großem Mundwerk. Einer, bei dem die Gerechtigkeit siegt und dem man auch ein paar schlechte Zoten verzeiht.

Pawlik verbindet Musik- und Typen-Comedy. 2002 entwickelt, ist seine Bademeister-Figur rundum stimmig. Und der 48-jährige gebürtige Schwarzwälder, der Sport in Köln studiert hat mit Hauptfach Spiel, Musik und Tanz, bringt auch Bewegungstheater auf die Bühne. Schaluppke tanzt mit und ohne Pool-Nudel, läuft geschmeidig über den Badekappen-Catwalk, zaubert einen Baywatch-Auftritt in Superzeitlupe, rappt, rockt und bringt die Zuschauer mit La-Ola-Wellen und esoterischer Beckenbodengymnastik in Bewegung.

Mit dem Stuttgarter Besen 2015 (Publikumspreis) ausgezeichnet, kommt Pawlik bei seinem ersten Auftritt in Göttingen bestens an. Trotz schwerer Erkältung feudelt er das Feuchtsoziotop kräftig mit staubtrockenem Humor durch und spart auch nicht mit Seitenhieben auf gesellschaftliche Ausrutscher. Der Comedian macht alle gleichermaßen nass („geh duschn“) und am meisten sich selbst. Ein vergnüglicher Abend wie ein praller, bunter Kindergeburtstag.

Von Karola Hoffmann

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